Die Kritik des Dingbegriffs.
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jekte“ für bestimmte Aussagen dienen können. Wir ersehen hier-
aus nur von neuem, dass unsere Erkenntnis die Forderung, die
Wirklichkeit ohne subjektive Zutat in ihrem unabhängigen Sein
zu erfassen, weder aufgeben, noch jemals in irgend einem Punkte
wahrhaft erfüllen kann. „Itaque res in se non sunt res seu non
habent modum illum intellectus nostri, quo constituuntur in ratione
cerum; nos tamen cum de illis etiam ut sic, seu de illis ut sunt
in se loqui volumus, necessum est ut illis tribuamus modum
subjecti aut entis, seu potius, ut apprehendamus illas:
nam in ea ipsa locutione, in qua de jis loquimur, ut sunt
in se, non sinimus illas, ut sunt in se, sed damus eis rationem
subjecti‘‘,29)
Wir wären nach dieser Einsicht folgerichtig zur unbeding-
ten Skepsis verurteilt, wenn hier nicht bestimmte dogma-
tische Behauptungen, die Geulincx aus dem System Descartes
herübernimmt, vor aller Kritik vorausgesetzt würden. Der Kritiker
des Aristotelischen Substanzbegriffs macht vor dem Cartesischen
Dualismus von Geist und Körper Halt. Gerade hier hätte sich
seine Methode bewähren können; gerade hier hätte sich zeigen
können, dass die Unterscheidung von Ausdehnung und Denken
nicht die Dinge als solche, sondern unsere Erfahrung und ihren
immanenten Gegenstand angeht. Damit wäre freilich zugleich
ler Metaphysik, wie sie Geulinex vor seinen entscheidenden
logischen Untersuchungen begründet und entwickelt hatte, der
Boden entzogen worden. In ihr ruht schon die Stellung der Frage
auf der Voraussetzung, dass wir das absolute Wesen der Substanzen
zu erkennen und nach ihm über ihre Verschiedenheit und Gegen-
sätzlichkeit zu urteilen vermögen. Wenn Geulincex von dem
Grundsatz ausgeht, dass eine wahrhafte Tätigkeit und Wirksam-
keit nur dort vorhanden ist, wo das tätige Subjekt den inneren
Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung völlig begreift:
so lässt sich in dieser Formulierung allerdings die Mitwirkung
eines erkenntnistheoretischen Grundgedankens deutlich erkennen.
Gehört der Begriff der Ursache zu den Kategorien des Denkens.
ist er ein eigenes und selbständiges Produkt des Geistes, so be-
greift sich die Forderung, das Verhältnis, das er zum Ausdruck
bringt, in allen seinen Teilen zu durchschauen. Die „Einsicht“
in dieses Verhältnis aber kann alsdann nichts anderes bedeuten.