Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Der Begriff der Ursache. 
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haben — in der Sprache der Scholastik ausgedrückt, die bekannt- 
lich der modernen Terminologie an diesem Punkte direkt ent- 
zegengesetzt ist — lediglich ein „Esse objectivum“ oder ein „Esse 
cognitum“ —, ein „subjektives“ Sein innerhalb der Welt des Be- 
wusstseins.?3) Bei diesem Gebrauch und dieser Beschränkung des 
Kausalprinzips aber vermag Burthogge nicht stehen zu bleiben. 
Wiederum ist es die vermeintliche Gefahr der absoluten Skepsis, 
die den freien gedanklichen Fortschritt des Idealismus an diesem 
Punkte einengt und hemmt. Wenn wir nicht für immer in dem 
Bannkreis unserer „Vorstellung“ verbleiben sollen, wenn die Wirk- 
lichkeit sich nicht in leeren Schein verflüchtigen soll, so muss es 
einen Weg geben, der uns über die Grenzen des Denkens zum 
unbedingten Sein hinausführt. Wie für Descartes, so wird für 
Burthogge der Begriff und. das Axiom der Ursächlichkeit zu dem 
gesuchten Mittel, das uns des Daseins einer transscendenten 
Wirklichkeit allgemein versichert. Vor aller Tätigkeit des Be- 
wusstseins existieren wirkliche Dinge, die ihrer Natur nach 
geeignet sind, Vorstellungen, die ihnen entsprechen, selbständig 
zu erzeugen oder unseren geistigen Kräften Veranlassung zu ihrer 
Bildung zu geben. Die Gegenstände ausser uns sind die wahr- 
haften Ursachen und Gründe, die in uns bestimmte Begriffe und 
Bilder hervorrufen. Hier, an diesem entscheidenden Wendepunkt, 
macht sich die Einwirkung der Erkenntnislehre Lockes geltend.®) 
Und jetzt wird wiederum das gesamte Ergebnis der früheren me- 
thodischen Untersuchung kraftlos und hinfällig. Von neuem darf, 
nachdem die Schranke an einem Punkte niedergerissen ist, der 
Gedanke es wagen, ein allgemeines Gesamtbild der absoluten 
Wirklichkeit zu entwerfen. So zeigt Burthogges Werk, in seiner 
Gesamtheit betrachtet, eine seltsame Zwittergestalt: an die Erkennt- 
nislehre knüpft sich eine dynamische Naturphilosophie, die zu- 
letzt alles Geschehen auf die Einwirkung „geistiger“ Ursachen 
zurückführt. Es entspricht hierbei noch der Beziehung und Rang- 
ordnung innerhalb der Kategorienlehre, wenn der Begriff der Sub- 
stanz durch den der Kraft ersetzt und verdrängt wird, wenn alles 
körperliche Geschehen im letzten Grunde auf ein einheitliches 
„energetisches“ Prinzip zurückgeführt wird. Die Art aber, in 
der die Wirksamkeit dieses Prinzips gedacht wird, bleibt gänz- 
lich innerhalb der Grenzen der metaphysischen Allbeseelungs-
	        
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