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Die Ideenlehre. — Malebranche.
Anfang an auf einem vollständig anderen Boden, Der „Paralle-
lismus“ zwischen seelischen und körperlichen Erscheinungen gilt
ihm nicht als eine äusserliche, materiale Tatsache, sondern ist
zu einer begrifflichen Forderung und einem notwendigen Er-
kenninisprinzip geworden. Der Gegensatz zwischen den bei-
den Substanzen wird ausgeglichen durch die Einsicht, dass es
nur eine Art der „Erfahrung“, nur eine Art vollgiltiger, wissen-
schaftlicher Erkenntnis gibt. Die Beziehung der geistigen Vor-
gänge auf die Materie erst macht sie zum Gegenstand der ex-
akten Wissenschaft, Erst durch Zuordnung zu einem be-
stimmten physiologischen Prozess zeichnen wir sie in das Bild
des Seins ein, dessen Grundzüge durch die klaren und distinkten
(deen der Mathematik vorgeschrieben sind.
Die Kritik des Substanzbegriffs, aus der die Cartesische
Philosophie hervorgewachsen ist, ist nunmehr um einen wich-
tigen Schritt weitergeführt. Wir sahen, wie der Begriff der „sub-
stantiellen Form“, nachdem er aus der Physik verbannt war,
sich in die Psychologie flüchtete und wie er hier am Begriff des
Selbstbewusstseins einen neuen Halt suchte. (S, ob. S. 431 £.)
Jetzt ist ihm auch diese letzte Stütze entzogen. Mit aller Klarheit
and Entschiedenheit stellt sich Malebranche nun auf den Stand-
punkt der Phänomene und begrenzt in ihnen die Aufgabe der
Wissenschaft. Zwar mag unserer Seele an sich ein absolutes
Sein zukommen, zwar mag es eine Regel und einen „Archetypus“
im göttlichen Verstande geben, nach dem sie entworfen und ge-
formt ist: unsere Forschung hat es dennoch niemals mit diesem
idealen Urbild, sondern nur mit der empirischen Erscheinung,
ihrer Aufeinanderfolge und ihrer Verknüpfung zu tun“) Mit
dieser Erkenntnis erst befestigen wir den Monismus der Me-
thode und sichern die Einheit und durchgängige Ueberein-
stimmung in allen Teilen und Gebieten des Wissens. Denn auch
die Physik muss, um Wissenschaft zu werden, zunächst lernen,
von der unbekannten Ursache der körperlichen Vorgänge abzu-
sehen. Sie beginnt damit, die Materie durch das einzige klare
und deutliche Merkmal, das wir an ihr.begreifen, durch den Be-
griff der Ausdehnung, zu ‚bestimmen. Die Frage aber nach
einem „Subjekt“ dieser Ausdebnung, nach einem „Etwas“, das
sich in ihr darstellt. und hinter ihr verbirgt, weist.sie von Anfang