Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Einleitung. 
wusster Betrachtung. Wenn bisher ein Verhältnis und eine Wech- 
selbedingtheit von Sein und Denken zwar überall stillschweigend 
angenommen, aber nirgends sicher bestimmt und begründet war, 
so wird jetzt die bewusste Tätigkeit des Denkens, so wird der 
„Logos“ selbst aufgerufen, um die Frage zu prüfen und kritisch 
zu schlichten: xpivaı 3& A6ya rok6dnpıy Eheyyov SE En.sdev Pndevta, 
Unabhängig von jeder anderen Instanz steckt nunmehr der Ge- 
danke den Umkreis des Seins ab und bestimmt es als eine un- 
gewordene und unzerstörbare, in sich selbst überall lückenlose 
and unteilbare Einheit. Aber wenngleich alle diese Bestimmun- 
gen rein in den Höhen abstrakter Dialektik gewonnen werden 
and jeder Rückblick auf die Welt der sinnlichen Erscheinun- 
gen verwehrt ist, so ist doch auch hier der Zusammenhang mit 
der exakten Wissenschaft nur scheinbar abgebrochen. In 
den Zenonischen Aporien vor allem ist, trotz des lediglich ne- 
gativen Ergebnisses, mit dem sie zu enden scheinen, der Urgrund 
einer künftigen Prinzipienlehre der Mathematik gelegt. Man hat 
es auch aus speziellen historischen Erwägungen wahrscheinlich 
gemacht, dass die Probleme der Pythagoräischen Zahlen- 
lehre es sind, auf die Zenon in seinen Beweisen hinblickt. Seine 
Kritik richtet sich nicht einzig gegen die unmittelbare sinnliche 
Anschauung der Dinge, sondern gegen eine wissenschaftliche Welt- 
ansicht, die — einzig mit dem Denkmittel der diskreten Quan- 
tität ausgerüstet — die stetige Vielheit und die Bewegung gedank- 
lich zu bewältigen vermeint.1®) Der Grundmangel der Pythagoräi- 
schen Lehre, dass in ihr Materie und Form ineinanderfliessen, dass 
das „Abstrakte“ sich an keinem Punkte rein vom Empirischen 
und Konkreten gelöst hat, wird jetzt erkannt und herausgehoben. 
Wenn es ein reines Denkprinzip war, das hier das Element 
des Seins setzte, so wurde doch die Verknüpfung des Seins le- 
diglich auf Grund der sinnlichen Erfahrung behauptet, nicht aber 
in einem neuen Begriff begründet. Solange dieser Begriff nicht 
entdeckt ist, solange wir kein reines logisches Mittel gefunden 
haben, um die kontinuierliche Grösse zu denken: so lange bleibt 
ihr „Sein“ problematisch. Wir sahen Zuvor, wie in den Frag- 
menten des Philolaos die Zahl als die notwendige Voraussetzung 
jeglicher Sonderung im Denken und Sein verkündet wurde: 
jetzt zeigt sich, dass von der Sonderung, die sie vornimmt und
	        
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