Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Kritik des Kraftbegriffs. 
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man indes über den gemeinsamen negativen Zügen die wesent- 
liche Abweichung im positiven Ergebnis übersehen hat.) In der 
Tat hat Malebranche, hat somit der geschmähte „Rationalismus“ 
Hume die Waffen geliefert, mit denen er die populäre Ansicht 
der Ursächlichkeit bekämpft. Aber wenn bei Hume die empi- 
rische Wissenschaft selbst in das Urteil einbezogen wird, das 
sich gegen den Anthropomorphismus der naiven Anschauung 
kehrt, so bleibt hier die strenge Grenzscheide und der Gegensatz 
zwischen beiden Gebieten erhalten. Wir „begreifen“, wenn nicht 
die innerliche Art des Uebergangs, so doch die Regelmässigkeit 
der Beziehung, die zwischen Ursache und Wirkung ‘besteht: sofern 
wir sie in die Sprache der klaren und deutlichen Ideen der Grösse 
übertragen und in ihr befestigen können. Der Verzicht auf die 
Einsicht in den metaphysischen Wesenszusammenhang vernichtet 
nicht, sondern sichert die mathematische „Notwendigkeit“ der 
Verknüpfung. In diesem Sinne hat Malebranche selbst beständig 
an der Entdeckung und Fixierung des einheitlichen quantitativen 
Grundgesetzes gearbeitet, aus dem alle besonderen Bewegungs- 
vorgänge mit deduktiver Strenge ableitbar werden sollten; — inner- 
halb der Cartesischen Schule ist er der Erste, der den Vebergang 
von den Stossregeln Descartes’ zum Leibnizischen Satz der Er- 
haltung der lebendigen Kraft vollzogen hat.?) 
Allgemein weist der Relativismus, der den Grundzug von 
Malebranches Erkenntnislehre ausmacht, überall eine doppelte 
Beziehung auf, ohne doch seiner eigentlichen Absicht nach 
schwankend und zweideutig zu werden. Er knüpft zunächst an 
psychologische Erwägungen und Tatsachen an: die Relativilät 
der Wahrnehmung ist es, durch die die bloss relative Geltung 
aller reinen Erkenntnisse beleuchtet und erwiesen werden soll. 
In der Richtung dieser Problemstellung liegt es, wenn Male- 
branche hier wiederholt auf Bacon zurückweist, dessen Idolen- 
lehre in der Tat das Grundschema für die psychologischen Zer- 
gliederungen des ersten Teiles der Recherche abgegeben hat 
Vgl. ob. S. 456.) Die Daten, die unsere Sinne uns liefern, machen 
ıns nicht mit dem wirklichen Sein der Körper, sondern nur mit 
dem Verhältnis vertraut, in dem sie unter einander und zu 
unserem eigenen Körper stehen. - Einen absoluten Maassstab be- 
sitzen wir so wenig für das Sein der Körper, wie für ihre Ver- 
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