Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Grundlegung des psychologischen Idealismus. 487 
und der Ursache, sind ihr fremd. Erklärt sich dieser Zug aus 
ler Eigentümlichkeit der Cartesischen Physik, in der die Materie 
mit der Ausdehnung, das Sein des Körpers mit dem Sein der 
Geometrie zusammenfällt, so weist er doch zugleich die eigent- 
liche Schranke von Malebranches Prinzipienlehre auf. Leibniz 
überwindet sie, indem er den Kraftbegriff wiederum zum logischen 
Zentrum der Physik macht, aber freilich zeigt sich auch bei ihm 
deutlich, dass die Kritik, die Malebranche an diesem Begriff voll- 
zogen hat, nicht verloren ist. Es ist die Ableitung und gesetz- 
liche Erklärung der Phänomene selbst, an der der Begriff der 
Kraft nunmehr seinen Anspruch begründen und rechtfertigen 
muss. Die Bedeutung und den Mangel von Malebranches Auf- 
fassung aber können wir jetzt von einem einzigen Punkte aus 
überschauen und zusammenfassen. Er hat die absolute Wesen- 
heit der Erfahrungsobjekte zerstört: aber dies geschieht nur, 
um den gesamten Inbegriff der Erfahrung und der Körperwelt 
um so fester an ihren obersten metaphysischen Ursprung zu 
ketten. Wenn er die Dinge in die Erkenntnis aufhebt, so ist 
dies nur ein vorhereitender Schritt, um sie in das göttliche 
Sein aufzuheben. Und diese doppelte Richtung des Gedankens 
bezeichnet bereits ein Grundproblem, das uns schärfer und ein- 
dringlicher in der Ableitung der 1ldeenlehre entgegentreten wird. 
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Malebranches Idealismus weist in der Form und Begrün- 
dung, in der er zumeist auftritt, wiederum deutlich die Kenn- 
zeichen des beherrschenden, wissenschaftlichen Grundinteresses 
auf, Es ist die psychologische Tendenz, die an seiner Bildung 
and Ausarbeitung mitwirkt; es sind psychologische Tatsachen und 
Erwägungen, auf die er sich zunächst beruft. Das Ich [findet 
sich, sobald es zum klaren Bewusstsein seiner selbst erwacht, in 
den Umkreis seiner Empfindungen und Vorstellungen einge- 
schlossen. Die Wirklichkeit löst sich ihm in eine Mannigfaltig- 
keit, einen Zusammenhang von „Ideen“ auf, die nach bestimmten 
Gesetzen der Verknüpfung auf einander folgen. Welchen Begriff 
wir uns immer von der realen Existenz der Dinge ausserhalb des
	        
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