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II. Probleme des Strafrechts.
helfen hier nichts, Einzelbestrafungen von Zuhältern sind gesell—
schaftlich unwirksam: man muß das Übel an der Wurzel fassen
Bei allen diefen Umständen wundert man sich über die Steigerung
des Verbrechertums: die Entwicklung der Kultur in Verbindung
mit den furchtbaren Fehlern unserer Vorfahren geben dafür die
genügende Erläuterung.
5ß. Rerbrechertypen.
826.
Das Verbrechen ist eine antisoziale Betätigung menschlicher
Seele, die zwar ihre individuelle Wesenheit beweist kraft der
Sonderheit des Einzelmenschen; auf der anderen Seite aber
lafsen sich, da die Art der Einzelwesen stets Ähnlichkeiten auf⸗
weist (Ahnlichkeiten in ihrer Lebensweise, in ihren Zielen und in
der Außerung ihres Gefühls- und Willenslebens), gewisse Typen
aufweisen, die sich verschieden gliedern lassen je nach der Art der
wissenschaftlichen Auffassung und nach dem System der Beob—
achtung.
Für den wichtigsten Typenunterschied halte ich den Unter—
schied zwischen Verbrechern mit sozialer Bafis, also mit einem
Gefühle für die Allgemeinheit und ihre Erfordernisse, anders aus—
gedrückt, mit einem Gewissen, über dessen Anforderungen sie sich
im einzelnen Falle hinaussetzen aus Gründen heftiger eindring⸗
licher Bestrebungen, in welche sie so sehr vertieft sind, daß die
Stimme des Gewissens übertönt wird und sie, trotzdem sie soziale
Naturen sind, zu einem antisozialen Handeln gelangen. Ich habe
derartige Verbrecher seiner Zeit als Leidenschaftsverbrecher be⸗
zeichnet, die Leidenschaft natürlich im Sinne einer lebhaften Ge⸗
fühlsbestrebung, die den Willen von der Seite ablenkt, welche durch
das Gewissen (durch die soziale Natur des Menschen) gegeben isi.
In Gegensatz dazu habe ich diejenigen Verbrecher gesetzt, welchen
diese moralische Seite fehlt, welche, voͤllig gewissenlos, die Regungen
des sozialen Daseins nicht empfinden. Man hat dies moral
insanity genannt, ein Ausdruck, der nicht völlig zutreffend ist,
denn er deutet auf Geistesstörung hin, während hier in der Tat
keine geistige Trübung, sondern lediglich der Mangel des sozialen
Sinnes vorliegt, allerdings ein Mangel in der regelmäßigen Ge⸗
staltung der Seele, aber ein Mangel, welcher die logische