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Auffallend ist der starke Rückgang an Viehzukäufen in der Nachkriegs-
zeit. Es sprechen hier zweifellos mit: Verminderung von Fohlenankäufen zu Re-
monteaufzucht, Verminderung von Mastviehankäufen. in den Brennereibetrieben,
eine Verminderung der Rindviehmast allgemein und schärfere Betonung der Milch-
wirtschaft. Es dürfte hier auch die nicht volle Ausnutzung des Brennereikontin-
gents in den Nachkriegsjahren mitsprechen. Ein weiteres Moment dürfte darin
liegen, daß in der Vorkriegszeit durch die Zweigstelle der Buchführungsgenossen-
schaft in Insterburg verhältnismäßig mehr Pferdezucht- und Brennereibetriebe
bearbeitet wurden als in der Nachkriegszeit.
Die Steigerung der Brennstoffaufwendungen ist z. T. auf vermehrte Anwen-
dung von Motorpflügen zurückzuführen. Die Betriebsstoffkosten sind unter Brenn-
stoffe verbucht. Während in der Vorkriegszeit Dampf- und Motorpflüge ganz ver
einzelt auftraten, besitzen 1927/28 etwa 50% der Betriebe einen Motorpflug.
Eine Prüfung: der Einnahmen und Ausgaben in der Vor- und Nachkriegszeit
zeigt bereits von 1924/25 an ein stetes Ansteigen der Ausgaben bis zu 32 % über
die Vorkriegshöhe, während die Einnahmen erst 1926/27 die Vorkriegshöhe er-
reichen und 1927/28 um 13% überschreiten. Bei einer Auflösung der Wirtschafts-
einnahmen und -ausgaben ergibt sich eine wesentliche Mehreinnahme nur für Milch
und Molkereierzeugnisse; bei den Ausgaben läßt sich für sämtliche Posten, abge
sehen von Viehkäufen, eine Vermehrung feststellen, die besonders hoch für Ab-
gaben, Brennstoffe, Gebäude- und Maschinenunterhaltung, auch für Lohnaufwen-
dungen, erscheint. Im Verlaufe der Nachkriegsejahre ist bei der bei allen Posten
steigenden Tendenz der Rückgang der Ausgaben für Düngemittel besonders auf-
fallend, — eine deutliche Folge der unglücklichen Wirtschaftslage‘).
Einen wertvollen Einblick in das Verhältnis von Gesamtaufwand und Rein-
ertrag gewährt eine Zusammenstellung der Zentralstelle für Buchführung und der
Buchführungsgenossenschaft Königsberg (vgl. Anlage IV). Hieraus ergibt sich
bei steigendem Gesamtaufwand wie auch bei steigendem Lohnaufwand stets ein
sinkender Reinertrag. Nicht eindeutig erscheint das Bild bei steigendem Aktiv-
aufwand (Saatgut, Düngemittel und Futtermittel). Dabei ist zu berücksichtigen,
daß die Wirkung des Kunstdüngeraufwandes durch die Witterungseinflüsse viel-
fach illusorisch gemacht worden ist. ;
Wie schon erwähnt, ist im Laufe der vier untersuchten Jahre 1927/28 eine
Besserung in den Betriebsergebnissen eingetreten. Aus der nachfolgenden Zu-
sammenstellung der Zentralstelle für Buchführung und der Buchführungsgenossen-
schaft Königsberg ist zu ersehen, daß die ihnen angeschlossenen Eigenbetriebe in
der Größenklasse von über 200 ha im Wirtschaftsjahre 1927/28 einen Reinertrag
im Durchschnitt von — 4,50 RM. je Hektar, die Betriebe von 100—200 ha einen
Reinertrag von +3,10 RM. je Hektar aufweisen. Für die Betriebe unter 100 ha
liegen für 1927/28 noch keine Zahlen vor. doch ist anch hier mit einer Besserung
zu rechnen. -
Bei der Beurteilung der Reinerträge ist aber zu berücksichtigen, daß aus
den Reinerträgen ein Schluß auf die Einkommensverhältnisse noch nicht gezogen
werden kann, da aus den Reinerträgen noch der Zinsendienst für das Leihkapital
bestritten werden muß. Vergleicht man für die untersuchten Jahre Reinertrag und
Zinsendienst, so zeigt sich, daß trotz der Besserung der Reinerträge die Ein-
kommenslage der Betriebe sich wegen der ständig wachsenden Schuldenzinsen von
Jahr zu Jahr verschlechtert hat. Aus der nachfolgenden Zusammenstellung ist
dies deutlich zu ergehen. Die Unterschiede in der Zinsbelastung ie Hektar haben
1) Zum Vergleich der Betriebsergebnisse Ostpreußens mit denen anderer Reichsteile wird
auf Anlage IV verwiesen.