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Es ist übrigens anzunehmen, daß den Wallonen mehr germani
sches Blut beigemischt ist als den eigentlichen Franzosen, da
schon seit den ältesten Zeiten in Belgien deutsche Stämme seß
haft waren. Von den zu seiner Zeit im südlichen Theile des
heutigen Belgiens ansässigen Nerviern berichtet Cäsar:
circa affectationem Gerraanicae originis ultro ambitiös! sunt,
tamquam per haue gloriam sanguinis a similitudine et iner
tia Gallorum separentur, d. h. sie pochen äußerst eifrig auf
ihre deutsche Herkunft, als ob sie durch diesen Ruhm des
Blutes von der Aehnlichkeit und Schlaffheit der Gallier abge
sondert würden. Die heutigen Tages im südlichen Belgien
wohnenden Wallonen jedoch erkennen gerne die Nachkommen
jener Gallier als ihre Stammesgenosien an und hegen die
freundschaftlichsten Gefühle für sie. Glücklicher Weise ist kaum
V» der Bevölkerung Belgiens wallonisch; die übrigen Bewohner
des Landes sind Flamländer und Deutsche. Von den 5,910,000
Bewohnern Belgiens sprechen ungefähr 59,100 keine andere
Sprache außer der deutschen; verstanden wird dieselbe jedoch
von über 400,000 Personen.
Deutschsprechende Belgier bewohnen vorzugsweise die
Provinzen Limburg und Luxemburg. Die deutsche Sprach
grenze im nordöstlichen Belgien folgt nach Andree's Hand
atlas ungefähr einer Linie, welche von Aachen um Tienen
herum sich in der Richtung nach Venloo bewegt. Die Deut
schen Belgiens fühlten sich bereits stark genug, um der Abge-
ordnetenkammer eine Vorstellung zugehen zu lassen, in welcher
die facultative Anwendung der deutschen Sprache im Unter-
richtswesen, sowie vor den Gerichten verlangt wurde. Die
Petition ging von Bewohnern der Stadt Arlon in der Pro
vinz Luxemburg aus.