Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
—D— 
der Erfahrung selbst produziere. Der Gedanke von einem 
Dinge, das an sich, unabhängig von irgendeinem Vorstellungs⸗ 
vermögen, Existenz und gewisse Beschaffenheiten haben solle, er⸗ 
schien also Fichte als eine Grille, ein Traum, ein Nichtgedanke. 
Es gab nach ihm kein Nicht-Ich, das nicht einem Ich entgegen⸗ 
gesetzt wäre. Daraus folgte ihm dann, da das Ich eine tätige 
Kraft sei, daß es auch kein Ich gebe, das sich nicht alsbald 
ein Nicht-Ich entgegensetze: der Thesis trat also alsbald die 
Antithesis gegenüber. Da aber aus diesem Vorgang erhelle, 
daß das Nicht-Ich auch ein Ich sei — wie könnte es sonst 
von diesem gesetzt werden? — so seien Ich und Nicht-Ich als 
Gegensätze in dem Einen Ich gezwungen, sich gegenseitig ein— 
zuschränken, und in dem Vorgang dieser Einschränkung liege 
eine Synthese ihres Gegensatzes. 
Thesis, Antithesis, Synthesis sind demgemäß nach Fichte 
Vorgänge, die sich in unserem Dasein ausschließlich und ständig 
zusammenfinden: folglich muß sich aus ihnen alles, was zum 
System des menschlichen Geistes gehört, also ein Kreis all— 
gemeinster Prinzipien ableiten lassen. Diese Ableitung nahm 
nun Fichte in seiner Wissenschaftslehre vor, indem er aus 
Thesis, Antithesis und Synthesis zunächst die drei Kategorien 
der Identität, des Widerspruchs und des Grundes entwickelte 
und von hier aus nach dem Vorbilde der Kantschen Tafel der 
Kategorien weiter fortfuhr, z. B. aus dem Satz des Grundes 
Relation, Kausalität, Substanz ableitete usw.“* 
1 Man vergleiche zu der oben gegebenen Darstellung Wundt, Logik II,2 
2. Aufl.) S. 6388—89: „Schon die Kritik Kants ist eine ebenso einseitig 
rationalistische, wie diejenige Humes eine empiristische gewesen war. Wie 
dieser von allen transzendentalen Bedingungen der Begriffe abstrahiert, um 
bloß deren empirische Elemente zurückzubehalten, so abstrahiert Kant um— 
gekehrt von diesen, um bloß jene einer Untersuchung zu unterwerfen. Die 
Empfindung ist ihm ein gegebener Stoff, nach dessen Entstehung und nach 
dessen Beziehungen zu den Erkenntnisformen nicht weiter gefragt wird; 
jogar bei diesen wiederholt sich das einseitig rationalistische Interesse: 
nachdem die weitere kritische Scheidung in Anschauungs- und Begriffs— 
formen vollzogen ist, beschränkt sich der Versuch einer Deduktion ganz und
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.