Surrogate.
and die Nachfrage steigern. Die Konsumenten werden beginnen sich
zu überbieten, um von dem billigen Ankauf möglichst zu profitieren.
Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschiebt sich zu gunsten
der Verkäufer und bewirkt eine Steigerung der Preise, Der Preis
selbst reguliert hier offenbar Angebot und Nachfrage, wie diese ihrerseits
den Preis beeinflussen. Bei Konsumtionsgegenständen der unteren
Klasse wird der Einfluß der Preisveränderung auf die Nachfrage sehr
bald zu spüren sein und sehr energisch wirken, und um so mehr, je
antbehrlicher der Gegenstand ist, z. B. bei Zucker, Tabak etc. Aber
auch der Brotkonsum wird durch die Preise erfahrungsgemäß sehr er-Aeblich
beeinflußt. In den mahl- und schlachtsteuerpflichtigen Städten
Schlesiens schwankte der jährliche Konsum an Weizen von 1838—62
zwischen 76 und 152 Pfund pro Kopf; in der Provinz Sachsen der
Roggenkonsum von 205 bis 353 Pfund, in Berlin von 140 bis 229 Pfund.
{m Jahre 1847 verzehrte Berlin an Roggen und Weizen zusammen
pro Kopf nur 214 Pf., im Jahre 1857 365 Pf., das ist eine Differenz
von 151 Pf. Die wohlhabende Klasse wird durch Preisveränderungen
in ihrem Brotkonsum naturgemäß nicht in gleichem Maße beeinflußt.
Wenn man früher sich damit begnügte, die Preisregulierung ganz durch
Angebot und Nachfrage zu erklären, so ergiebt sich, daß dies nicht
ausreicht, denn die Preise regulieren wiederum Angebot und Nachfrage.
Man muß auf die Ursachen zurückgehen, welche beide beein-Aussen.
Mit den Unkosten werden nach dem Gesagten auch die Preise
steigen resp. sinken. Gegenstände, ‚deren Herstellungskosten gleich
hoch sind, müssen unter sonst gleichen Verhältnissen und bei wirksamer
Konkurrenz gleiche Preise haben. Unter den Herstellungskosten
wird auf die Dauer eine Ware nicht hergestellt und abgesetzt werden
zönnen.
Von diesen Regeln treten nun aber viele Ausnahmen ein, die von
der alten Schule zu sehr ignoriert wurden. .
Güter, welche sich leicht und hinreichend zu ersetzen imstande
ind (Surrogate), können nicht sehr abweichende Preise zeigen, wojurch
Modifikationen der Regel herbeigeführt werden müssen, Steigt
der Kaffee im Preise, so vermehrt das die Nachfrage nach Cichorien
und verteuert dieselben, auch wenn die Herstellungskosten sich nicht
verändert haben. Die Preise der verschiedenen Getreidearten beeinlussen
sich gegenseitig. Ist die Weizenernte eine günstige, die Roggenernte
dagegen eine ungünstige gewesen, so nähern sich die Preise der
oeiden Produkte; sie halten sich aber auch gegenseitig in Schranken. Der
Konsum wirft sich bei diesem Beispiel von dem Roggen auf den Weizen,
vermindert den Ueberschuß an Weizen und entlastet den Roggen. Hohe
Roggenpreise verbieten eine ausgedehnte Anwendung desselben zu Viehfutter
und erweitern den Bedarf an Hafer und Gerste, während bei
einer Mißernte an Hafer geringe Qualitäten des Roggens und Weizens
(dieser besonders als Geflügelfutter) Ersatz bieten müssen. Verteuerung
des Schweinefleisches wirkt auch auf Hammel- und Rindfleisch zurück.
Bei allgemein hohen Preisen der Hauptfleischsorten wird auch das
Geflügel, das Wild etc, teuerer, auch wenn deren Beschaffungskosten
anverändert geblieben sind. Die Verschiebung von Angebot und Nachfrage
kommt hier in der Preisveränderung zum Ausdruck, Ebenso
stehen die Preise von gewöhnlichen Wollen- und Baumwollenwaren in
gewissem Zusammenhange, und es können sich ausnahmsweise dabei