Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. - Sterblichkeit beim Militär. 513 
Gegen die U nfehlbarkeit dieser Aufstellung müssen bescheidene Zwei 
fel erlaubt sein. Wenigstens finden wir in der offic. Statist, yén., 2. série 
tome 11 paye XXX177/die Angabe, dass im J. 1S59, bei einem Efiec- 
tivstande von 500,000 Mann, 18,075 Todesfälle vorgekommen seien. 
Dies ergibt 37,3 pr. 1000. Allerdings sind darunter 5868 auf den 
Schlachtfeldern und in den Ambulanzen Gestorbene einbegriffen. Diese 
abgerechnet, bleiben aber immer noch 12,807 Todesfälle, d. h. 25,61 
pr. Tausend 1 
Wegen des englischen Heeres siebe unten, S. 516. 
Die durchschnittliche Sterblichkeit in der preuss. Armee ward 
auf dem Statist. Congresse zu Berlin nach ministeriellen Berechnungen 
zu ungefähr 9,8 auf 1000 angegeben. 
Obwol nun aber nicht in Abrede gestellt werden kann, dass sich 
die Verhältnisse so ziemlich in allen Staaten gebessert haben, so er 
scheint doch die Grösse der Besserung, welche in den Ziffern hervor- 
trit, theilweise als Illusion. Man ist nitht nur sorgsamer in der Auswahl 
der Recruten geworden , sondern man hat insbesondere die von schwe 
ren Krankheiten befallenen Soldaten weit häufiger als sonst aus der Armee 
entlassen, wonach es kam, dass sie einerseits aus den Sterblisten des 
Militärs hinwegblieben, anderseits aber auch noch die Todtenzahl der 
Civilpersonen vergrösserten. — Während sich in der preussischen 
Armee im Jahre 1816 auf je 1000 Mann etwas über 2 Entlassungen als 
Invaliden ergaben, steigerte sich die letzte Zahl in den Jahren 184 7—57 
auf ungefähr 4, um von 1858 durchschnittlich auf 15 emporgeschnellt 
zu werden! Das Ergebniss war natürlich sehr bemerkbar: vor 1858 
zählte man auf 1000 Mann ungefähr 3 Invaliden und 10 Todte, nach 
her zwar nur 5 Todte, aber 1 5 als Invaliden Entfernte ! — Ebenso las 
sen die furchtbar zahlreichen Erkrankungen keinen Zweifel, dass die 
Sanitätsverbältnisse unter den Truppen nichts weniger als günstig sind. 
Wir wissen z. B. , dass im preuss. Heere während des Jahres 1861 
nicht weniger als 237,750 Erkrankungsfälle vorkamen, von denen 
125,866 die Aufnahme in die Lazarethe nothwendig machten.*) — Aus 
der bayerischen Armee liegt uns eine Uebersicht vom zweiten Halb 
jahre 1863 vor, wonach während dieser 6 Monate 46 Mann gestorben, 
daneben aber 124 als felddienstuntauglich entlassen worden sind. 
Eine ganz besondere Beachtung verdient die erschreckende Menge 
CiQT Selbstmorde \m Militär, ln der preuss. Armee kamen im J. 1861 
103 vor. In Frankreich blos bei der Pariser Garnison durchschnittlich 
1 auf 2307 Mann. — Nach Schimmer befinden sich in Oesterreich unter 
1000 auf gewaltsame Weise um gekommenen Personen im Civil 120,9 
'Selbstmörder, im Militär dagegen nicht weniger als 558,3! — Die Be- 
*) Nach einer Notiz in der 1). Wehrztg. wären in den 10 Jahren 1829— 
1838 in der preusH. Armee, bei einem durchschn. Bestände von 150,083 Mann, 
je 196,528 Erkrankungs- u. 2104,3 Todesfälle vorgekommen, unter den letzten 
609,4 am Typhus. Es gibt dies 13,96 Todte auf looo M. Die Zahl der Kranken 
war grösser als die der Soldaten, d. h. jeder Soldat kam durchschn. mehr als 
einmal im Jahre in das Spital. 
Kolb, Statiitik. 4. Aufl. 
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