Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Mikroskopische Untersuchung. Rückstände der Ölbereitung. 331 
zellen. Diese sind radial, außerordentlich gestreckt und daher bei mazeriertem 
Samen oft in der Querschnittlage sichtbar. Sie fallen durch stark verdickte Längs 
und dünne Querwände auf. Die kapitälförmige Ausstülpung an den beiden Längs 
enden scheint wenig ausgebildet zu sein. Im Parenchym der Keimlappen befinden 
sich vornehmlich Proteinkörner und Fett. 
Fig, 102. Sojabohne (Querschnitt). (Vergr. 200.) 1 Palissadenzellen, 2 Sänlenzellen, 3 Innere und 
äußere Parenchymschicht, 4 hyaline Streifen, 5 Oberhaut der Kotyledonen, 6 Parenchym der 
Kotyledonen. Nach Hanausek. 
III. Rückstände der Ölbereitung. 1 ) 
Die Rückstände der Ölbereitung bilden zurzeit die weitverbreitetsten Kraft 
futtermittel. Ihre Beschaffenheit hängt naturgemäß von der der Ölsamen ab, dann 
aber auch von der Art ihrer Verarbeitung. Auch bei den Ölsamen wird in ähnlicher 
Weise eine Reinigung vorgenommen wie bei den Getreidearten; die mit Hülsen (z. B. 
Erdnuß usw.) oder dicken Schalen (z. B. Baumwollesamen, hier auch Baumwolle) ver 
sehenen Ölsamen werden durch gefurchte, sich schnell bewegende Walzen abgetrennt, die 
groben Hülsenteile durch Rüttelsiebe, die feinen durch Exhaustoren entfernt. Die Ge 
winnung der öle bezw. Fette geschieht jetzt, wenn man von dem ureinfachen Aus 
schmelzen und Auskochen in den Tropenländern absieht, in zweierlei Weise, nämlich auf 
mechanischem oder chemischem Wege; mechanisch gewinnt man das öl entweder durch 
Zerquetschen mittels Stampf- oder Schlagwerke, durch Walzwerke und Kollergänge 
oder durch Pressen mittels Keil- und hydraulischer Pressen. Hierbei wird der 
Samen bald warm, bald kalt gepreßt. Bei der kalten Pressung gewinnt man weniger 
aber durchweg reineres öl, auch behalten die Preßkuchen einen höheren Futterwert, 
als bei der warmen Pressung. Auch wird zum Zwecke des Fressens die Preßmasse 
in wollene Tücher gegeben, die zum Schutze in Preßtücher von Pferde- oder 
Kamelhaaren oder pflanzlichen Fasern eingehüllt werden, woraus sich das ver 
einzelte Vorkommen von Wollfasern oder Haaren in Preßkuchen erklärt. Statt 
der wollenen Tücher werden jetzt auch wohl aus Stahldraht hergestellte Kästen 
angewendet, wodurch der Preßrückstand eine fein rauhkarrierte und wellig gerippte 
Oberfläche annimmt. 
l ) Unter Berücksichtigung einiger neuen Arbeiten wesentlich nach den früheren 
Ausarbeitungen von Dr. C. Bö hm er,, der auch die meisten Abbildungen zu diesem Ab 
schnitt geliefert hat (vergl. auch dessen Handbuch „Die Kraftfuttermittel“, Berlin 1903).
	        
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