Daniel Colraine. 91
bezirke zu kommen oder in ihren Territorien zu bleiben. Aber das ist nicht
wahr. Die Bergwerkskammer und die Regierung haben ihre Agenten in diesen
Bezirken, und für jeden, den sie nach Transvaal transportieren, wird dem
Agenten eine bestimmte Summe gezahlt. Die wirtschaftliche Lage der Ein-
geborenen, besonders in Transvaal und auf den Farmen, ist schrecklich. Sie
werden in großen Siedlungen zusammengetrieben und ihre Lebensverhält-
nisse sind sehr schlecht. Sie leben in einer modernen Form der Sklaverei.
Diese Arbeiter sind nur halbfrei. Sie werden zu gewissen Zeiten beurlaubt, in
ihre Territorien zurückzukehren. Unglücklicherweise ist das Verhältnis zwi-
schen den weißen Arbeitern und den Eingeborenen in Südafrika nicht so, wie
man wünschen möchte. Das Liegt zum Teil daran, daß, allgemein gesprochen,
die Eingeborenen nicht genügend geschult sind, um ihr Verhältnis zur Arbeit
zu verstehen. Die Lage der weißen Arbeiter in Südafrika ist viel schlechter,
als sie vor dem Kriege von 1914 war, weil die Kosten für den Unterhalt ge-
stiegen sind.
Die Macht der Kapitalisten und Imperialisten in Südafrika wird noch da-
durch gesteigert, daß die ganze Presse in Südafrika und Rhodesia kon-
trolliert wird. Die Politik der Imperialisten ist, die weißen und die schwarzen
Arbeiter in Südafrika gegeneinander aufzuhetzen. Sobald ein ernster Kon-
flikt entsteht, erhebt die kapitalistische Presse den Ruf, die weißen Arbeiter
seien gegen die Eingeborenen. So versuchen sie, den Spalt zwischen den
weißen und schwarzen Arbeitern zu vertiefen. Unglücklicherweise wollen
die weißen Arbeiter gegenwärtig noch nicht mit den schwarzen Arbeitern
zusammen arbeiten.
Der Einfluß, den die Bergwerkskammer auf die Regierung ausübt, ist
sehr groß. Als im Jahre 1923 die Arbeiter bei der Wahl die Nationalpartei
an die Regierung zurückschickten, hofften sie, daß der Einfluß der Berg-
werkskammer und der Kapitalisten überhaupt, in gewisser Weise einge-
schränkt werden würde. Nach drei Jahren, während deren sich die natio-
nalistische Regierung mit Mitgliedern der Arbeiterpartei zu einem Block zu-
sammenschloß, sehen wir, daß nichts erreicht worden ist, soweit es sich
um die Lage der Arbeiterklasse handelt. Wir sehen, daß Hertzog, seit er
von seinem Besuch der Imperial-Konferenz zurückkehrte, offenbar sehr
zufrieden ist, sich mit den britischen Imperialisten zu verbünden. Die
Regierung beabsichtigt, ein Gesetz einzubringen, das sich mit den bäuer-
lichen Eingeborenen befaßt. Bis jetzt sind in Südafrika gewisse Ländereien
für die Eingeborenen reserviert, und in gewissem Grade sind die Eingebore-
nen auch in der Lage, Land zu kaufen. Aber das Gesetz, welches jetzt im‘
Parlament vom Premierminister vorgelegt wird — der Premierminister ist
auch Minister für die Angelegenheiten der Eingeborenen —, nimmt den Ein-
geborenen dieses Recht, Land zu kaufen und will sie in eine Reservation hin-
einpressen, wo sie keinerlei Möglichkeiten haben, zu leben. Dadurch sollen