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Zeit haben ergeben, daß auch bei sehr bedeutenden, angesehenen
Banken die Solidarhaft der Bankteilhaber nicht genügte, den Zusam-
menbruch zu verhüten, der dann, wie z. B. bei der City of Glasgow-
Bank ganz unerwartet eine große Zahl von Menschen, die sich ihrer
Verantwortung gar nicht bewußt waren, an den Bettelstab brachte.
Aus dem Gesagten ergiebt sich, daß all die erwähnten Maßregeln
eine unbedingte Sicherheit den Banken nicht zu verschaffen vermögen,
weshalb die Handhabung des Privilegiums der Notenausgabe, also die
Leitung der Notenbank zweckmäßig der Staatsgewalt selbst zu über-
ragen ist.
Werfen wir hiernach noch einen Blick auf die Einrichtung des
Notfenbankwesens in einzelnen Ländern,
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Die Notenbanken einzelner Länder.
In Deutschland geht die Entwickelung von 1765 aus, wo in Entwicke-
Berlin die königliche Giro- und Leihbank als reine Staatsanstalt mit. lung in
einem Kapital von 8 Mill. Thaler gegründet wurde. Sie acceptierte Deutschland
ein Rechnungsgeld, das Bankopfund (Ein Viertel Friedrichsd’or), wo-
nach die königlichen Kassen und die Berliner Kaufleute rechnen und
buchführen sollten. Die Annahme verzinslicher Depositen wurde das
Hauptgeschäft, während der (Siroverkehr keine große Bedeutung zu
erlangen vermochte, Auch die in Angriff genommene Notenausgabe
war eine unbedeutende, in den 70er Jahren etwa 800000 Thaler.
1805 hatte sich die Summe auf 1,3 Mill. Thaler erhoben, bei einem
Barvorrat von gegen 9 Mill. Thaler. Neben der Hauptkasse in Berlin
waren noch 11 Filialen vorhanden. Wir übergehen die nächstfolgende
Zeit und bemerken nur, daß in den 30er Jahren die Banknote wieder
verschwunden war, iudem sie durch das nach den MNapoleonischen
Kriegen massenhaft ausgegebene Papiergeld verdrängt wurde. (Serade
in jener Zeit aber begann sich das Bedürfnis‘ nach größeren Bankin-
stituten mehr und mehr herauszustellen. So wurde 1834 die bayrische
Hypotheken- und Wechselbank in München mit dem Rechte der Noten-
emission bis zu 8 Mill, später 12 Mill. Gulden gegründet. Sie war
und ist noch heute eine Privatanstalt unter Staatsaufsicht. 1838 ent-
stand die sächsische Privatzettelbank, die Leipziger Bank, gleichfalls
unter Staatsaufsicht. In Preußen sah man sich veranlaßt, 1846 die
Umgestaltung der alten Bank in die Preußische Bank zu vollziehen,
die mit einem privaten Aktienkapital von 10 Mill. Thaler ins Leben
trat, aber von Staatsbeamten geleitet wurde. Diese Preußische Bank
hat dann allmählich eine immer größere Bedeutung erlangt und in der
Kriegszeit 1866 und 70 dem Lande die größten Dienste geleistet.
Neben ihr entstanden Ende der 40er, dann in den 50er Jahren noch
eine Reihe kleinerer Banken, so daß in Deutschland 1857 in 20
deutschen Territorien 30 Zettelbanken thätig waren. Anfang der 50er
Jahre waren etwa 120 Mill. Mk. an Noten in Umlauf, von denen
höchstens 15 Mill. ungedeckt waren.
Seitdem begannen besonders die kleineren Anstalten immer mehr
and namentlich kleine Noten in Umlauf zu setzen, und vielfach mehr als
das ihnen zugewiesene Territorium zu absorbieren vermochte. Da-
gegen richtete sich denn auch das allgemeine Mißtrauen, und man
strebte mehr und mehr nach einer Zentralisierung, die bald nach