Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

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Auf der anderen Seite zeigte es sich, daß durch die Kontingentierung
 des Notenumlaufs gerade in den Zeiten der wirtschaftlichen
Krisen die Banken nicht imstande waren, ihre Aufgabe ausreichend
zu erfüllen, so daß man noch in den Jahren 1847, 57 und 66 sich
genötigt sah, die Peels-Akte zu suspendieren und eine erweiterte Ausgabe
 von Noten zu gestatten. Bis aber die Suspendierung durch das
Parlament ausgesprochen wurde, war übermäßig viel Zeit verloren und
der Moment verpaßt, wo durch erweiterte Darlehen Hilfe geleistet
werden konnte, Je mehr sich die Notenemission der Grenze näherte,
um so mehr steigerten sich die Anforderungen an. die Notenbanken,
indem Jeder noch etwas zu erhalten suchte, bevor die Leistungsfähigkeit
 der Banken erschöpft war, die sich dadurch zu einer extremen
Steigerung des Diskonts genötigt sahen, welcher bis zu 10 "/ gelangte.
Nur in einem so konservativen Lande wie England war es möglich,
ein Gesetz bis zur Gegenwart unverändert zu erhalten, das sich wiederholt
 als gänzlich unpraktisch erwiesen hat, Mit vollem Rechte ist
deshalb das deutsche Reich diesem Beispiele nicht gefolgt. Es hat
aber der Currencyrichtung, ebenso wie OÖesterreich-Ungarn die Konzession.
 gemacht, einen Druck auf die Notenemission durch eine Steuer
auszuüben, die bei Ueberschreitung des kontingentierten Betrages an
ungedeckten Noten 5%, beträgt. Die von dieser Maßregel befürchtete
 übermäßige Steigerung des Diskonts in Zeiten großer Ansprüche
an die Banken ist nicht eingetreten, und bis in die letzten Jahre kam
eine Kontingentsüberschreitung nur äußerst selten vor. In den letzten
Jahren ist sie indessen immer häufiger eingetreten, so daß eine Erweiterung
 des Kontingents auf 450 Mill. unvermeidlich wurde. Für
die unter Staatsleitung stehenden Banken erscheint eine solche Beschränkung
 überhaupt durchaus unnötig, und die Beseitigung der Bestimmung
 wünschenswert, sobald nur noch solche Banken existieren.
Eine weitere wesentliche Maßregel zur Sanierung des Noten- Verbot kleiwesens
 besteht‘ in der Ausschließung der kleinen A points. Es ist ner Noten.
die allgemeine Beobachtung, daß die Umlaufszeit der Noten um so
größer wird, je kleiner die Summe ist, auf welche sie lauten, weil die
kleinen Noten in die Hand des größeren Publikums, namentlich auch
auf das Land gelangen, also in Kreise, die nicht in der Lage sind,
dieselben den Banken zur Einlösung zu präsentieren, wodurch die
Noten sich als allgemeines Zahlungsmittel im Umlauf erhalten. Die
größeren Noten bleiben dagegen hauptsächlich der Geschäftswelt vorbehalten,
 welche sie nach kurzer Zeit in die Banken wieder zurückliefert.
 Die Bank von England rechnet darauf, daß eine ausgegebene
Tausendpfundnote bereits nach 8 Tagen ihr wieder präsentiert wird,
die Hundertpfundnote erst nach 6—8 Wochen.
Vor 1875 gaben eine Menge deutscher Banken 'Thaler- und
Guldennoten aus, die sich außerordentlich lange bei der Arbeiterbevölkerung
 in Zirkulation erhielten. Mehrere kleine Banken griffen zu
allerhand Mitteln, um ihre Noten auch in entfernten Gegenden in Umlauf
 zu bringen, indem sie sie z. B. an kleine Bankiers zur Unterbringung
 gegen Gebühr versendeten, die ihrerseits besonders Viehhändler
 dazu benutzten, die Scheine auf dem Lande unterzubringen,
Yon wo sie natürlich erst nach Ablauf längerer: Zeit wieder in die
Bank zurückkehrten. Dadurch war es möglich, mehr Noten im Umlauf
zu erhalten, als Bedarf dafür vorlag. Es war deshalb eine sehr heilsame
Maßregel des preußischen Bankgesetzes von 1875. Noten unter 100 MI.
            
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