Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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Kämpfe erhoffen. So lange der Klein- und Mittelbetrieb noch immer eine 
Voraus- höhere Bedeutung hat als der Großbetrieb, wie das auf dem europäi- 
setzungen schen Kontinente der Fall ist und noch in absehbarer Zeit bleiben wird, 
der Kartelle. -goheint all dergleichen ausgeschlossen. Dazu kommt, daß doch inner- 
halb, der GroBßindustrie zu viel Interessen individueller, wie lokaler 
Natur zur Geltung kommen, um auch da die Kartellierung zu erschweren 
und die durchgeführte wiederum zu gefährden. Voraussetzung ist ferner 
eine gewisse Gleichartigkeit der Größe und sonstigen Beschaffenheit 
der kartellierten Unternehmungen. Ebenso ist eine Vertretbarkeit 
der produzierten Objekte Vorbedingung der Vereinigung, denn nur 
dabei ist Massenvertrieb und Gleichartigkeit der Preise und somit eine 
stete Vorausbestimmung der Preise möglich. Jedes solches Vorgehen 
beschränkt den Unternehmer in der Verwertung seiner Intelligenz und 
seiner Kapitalkräfte, zwingt ihn, sich da unterzuordnen, wo es auch 
seiner Ansicht nach im HEinzelfalle nicht richtig ist, und raubt ihm Ge- 
winne, auf die er sonst meint rechnen zu können. Kein Wunder, wenn 
deshalb gerade unternehmungslustige Männer, die nicht zur Leitung 
berufen werden, dem Kartelle fern bleiben und sich von bestehenden 
möglichst bald wieder frei zu machen suchen. Auf der anderen Seite 
ermöglichen es die durch die Kartelle günstig gestalteten Verhältnisse 
Außenstehenden bei einem beginnenden Aufschwung der Konjunkturen 
besonders günstige Geschäfte zu machen, wodurch neue Etablissements 
entstehen, die dem Kartell erhebliche und schließlich leicht bedroh- 
liche Konkurrenz machen. Daher die Beobachtung, daß verhältnis- 
mäßig nur wenige Kartelle von langer Dauer sind, sondern Ver- 
änderungen in den Konjunkturen, wie unter den leitenden Persönlich- 
keiten ihnen verhängnisvoll werden. Viel eher sind Fusionen, d. s. 
Verschmelzungen, namentlich von Aktiengesellschaften zu befürchten, 
wie sie bei den Eisenbahnen in England und in Amerika gebräuchlich 
sind, als nachhaltige Kartellierungen bedrohlicher Art. 
Die Gewinnung einer Uebermacht wird noch dadurch erschwert, 
daß heutigen Tages die internationale Konkurrenz eine immer größere 
Bedeutung gewinnt, und wenn es auch internationale Kartelle giebt, 
diese doch stets nur zu den Ausnahmen gehören werden, weil natür- 
lich die Interessen international bedeutend auseinandergehen und ebenso 
die Größen- und Machtverhältnisse zu verschieden sind. 
Freilich ist durch das schutzzöllnerische Abschließen der ein- 
zelnen Länder innerhalb derselben die Preisbildung bis zu einem ge- 
wissen Grade selbständig, und hier ist es mithin durch die Schutzzölle 
erleichtert, durch Kartelle einen erheblichen Einfluß zu gewinnen, 
damit ist aber auch zugleich der Regierung die Möglichkeit gegeben, 
durch die Zollpolitik einen gewissen, wenn auch immerhin beschränkten 
Einfluß auf die Kartelle zu gewinnen. 
Bei der Verschiedenartigkeit der Interessen ist auch nicht eine 
so feste Organisation der Unternehmer zu befürchten, daß sie nach- 
haltig eine Unterdrückung der Arbeiter und Herabdrückung der Löhne 
durchzusetzen vermöchten. Bisher wenigstens haben die Arbeiterorga- 
nisationen weit festeres Gefüge gezeigt als die der Unternehmer. 
Gefahren der Damit soll keineswegs gesagt sein, daß die ganze Kartellbewegung 
Kartelle, keine ernstlichen Gefahren in sich schließe. Schon eine zeitweilige 
Benachteiligung der Arbeiter, eine vorübergehende Ausbeutung des 
Publikums zu Gunsten Einzelner ist von Nachteil und muß möglichst 
verhütet werden. An und für sich ist eine Erhöhung der Preise in-
	        
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