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Volkswirt-
schaftlicher
Wert.
zemeiner
Wert.
Faktoren der
Wert-
bestimmung.
im Tauschverkehr eine bestimmte Menge anderer Güter als Gegengabe
zu erwerben“, Das ist also wiederum nichts anderes, als der Tausch-
wert des Adam Smith, der eben objektiven Charakter hat. Der
subjektive Wert, der durch das Urteil des einzelnen Wirtschaftenden
bedingt wird, ist nichts anderes, als der privatwirtschaftliche
Wert, der sich natürlich in unendlicher Mannigfaltigkeit der Tausende
und aber Tausende von einzelnen Wirtschaften herausstellt, der für die
Nationalökonomie nur eine untergeordnete Bedeutung hat. Der volks-
wirtschaftliche Wert ergiebt sich erst aus dem Zusammenwirken
jener Privatwirtschaften in dem großen Durchschnitte des Markt-
verkehrs, Uns will deshalb scheinen, daß die Unterscheidung zwischen
privatwirtschaftlichem und volkswirtschaftlichem Werte
bedeutsamer ist und den Kernpunkt in höherem Maße trifft, als die
Unterscheidung zwischen objektivem und subjektivem Wert, und wir
haben in dem Folgenden, wo es nicht anders angegeben ist, den volks-
wirtschaftlichen Wert‘ im Auge.
Auf die Unterscheidung des Gebrauchswertes wiederum in Kon-
sumtions- und Produktionswert, der sich also nach der Art der Ver-
wendung des Gutes richtet, ist nach dem Gesagten kein Gewicht zu
legen. In der Jurisprudenz spielt noch der gemeine Wert eine erheb-
liche Rolle. Es ist derjenige, der nach der Schätzung im Öffentlichen,
freien Verkehre von einem Jeden zu erlangen ist. Demselben steht,
z. B, bei ländlichen Grundstücken, der Ertragswert gegenüber, der sich
durch den aus dem Objekte zu erlangenden Reinertrag ergiebt. Man
spricht auch von Kostenwert, der durch die Unkosten bestimmt wird,
welche die Herstellung oder Beschaffung verursachen, Schließlich ist noch
der Affektionswert zu berücksichtigen, der durch die besondere indi-
viduelle Beurteilung auf Grund eines bestimmten Verhältnisses sich
von dem durchschnittlichen Urteile unterscheidet. Das ist z. B. der
Fall bei einer Bibliothek, die ein Gelehrter sich für seine Studien zu-
sammengekauft hat, die für seine persönlichen Zwecke eine weit höhere
Bedeutung hat, als auf dem allgemeinen Markte. Ein mäßiges Por-
traitgemälde wird für denjenigen einen sehr hohen Wert haben können,
welcher der Person sehr nahe gestanden hat, die das Bild darstellt.
Alle diese Unterscheidungen haben aber nur eine untergeordnete
Bedeutung, und wir können bei der folgenden Untersuchung vollständig
davon absehen.
Bei der Wertschätzung in der Volkswirtschaft, wo das subjektive
Moment völlig in den Hintergrund tritt, kommen nun sehr verschiedene
Faktoren in Betracht, welche das menschliche Urteil beeinflussen:
l, Die natürliche Nutzbarkeit des Gutes, die Eigenschaften, durch
welche es zur Bedürfnisbefriedigung des Menschen fähig werden
kann, werden überall die Grundlage der Schätzung bilden. Es ist die
Nährkraft des Getreides, durch welche dasselbe von den Menschen
geschätzt wird, wie die Bildsamkeit und der Glanz der Edelmetalle,
weshalb sie von den Menschen überall gesucht und bevorzugt werden.
Wo der Mensch sich nicht wenigstens einbildet, daß das Gut ihm
Nutzen bringen kann, wird er ihm einen Wert nicht beilegen. Das
bedarf keiner weiteren Ausführung. Aber die Brauchbarkeit ist keines-
wegs das allein bestimmende Moment des Wertes. Wir sahen bereits,
daß sehr brauchbare, ja zum Leben durchaus notwendige Gegenstände
freie Güter sein können, die gar keinen Wert haben, wie Luft, Wasser,
unter Umständen Holz, Grund und Boden, Steine ete. Ein Gut er-