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Daß der Arbeiter sich und seine Familie ernähren kann, hängt
nicht von der Quantität Geld ab, die er als Arbeitslohn empfängt,
sondern von der Quantität Lebensmittel und anderer Dinge, an die er
sich gewöhnt hat und die er für seinen Arbeitslohn einkaufen kann.
Der natürliche Preis der Arbeit hängt also vom Preise der Lebensmittel
und sonstiger Bedürfnisse ab, die zum Unterhalt des Arbeiters
und seiner Familie erforderlich sind. HEin Steigen oder Fallen im
Preise dieser Gegenstände erhöht oder verringert den natürlichen
Preis der Arbeit.“
Mit der Entwickelung der Kultur, nimmt Ricardo an, steigen
im allgemeinen die Preise des Rohmaterials, insbesondere der Lebensmittel,
wovon allerdings, wie er selbst hervorhebt, durch Verbesserungen
im Betriebe, Erweiterung des Marktes im internationalen Verkehr Ausaahmen
eintreten können, und dadurch wird auch der Preis der Arbeit
arhöht, ohne dadurch natürlich die Lage des Arbeiters zu verbessern.
Der Preis der Manufakte verringert sich dagegen insbesondere durch
Jie Erweiterung der Maschinenanwendung.
„Der Marktpreis der Arbeit ist das, was, nach dem Verhältnis
des Angebots zur Nachfrage nach derselben, wirklich für sie gezahlt
wird; denn die Arbeit ist teuer, wenn keine Hände zu finden sind,
und wohlfeil, wenn ein Ueberfluß derselben vorhanden ist. Wie groß
auch die Abweichung des Marktpreises vom natürlichen Preis der
Arbeit sein mag, er pflegt auch hier, wie bei allen anderen Dingen,
sich immer wieder letzterem zu nähern.
Wenn der Marktpreis der Arbeit über den natürlichen Preis derselben
sich zu erheben beginnt, dann nur kann die Lage des Arbeiters
blühen und glücklich werden; er kann in größerer Quantität alle Annehmlichkeiten
und Bedürfnisse des Lebens sich verschaffen, folglich
aine gesunde und zahlreiche Familie erziehen und unterhalten. Wenn
aber nun die Zahl der Arbeiter durch wachsende Population — als
Folge des hohen Arbeitslohnes — vermehrt worden ist, so sinkt der
Arbeitslohn wieder auf seinen natürlichen Preis, und manchmal ist die
Wirkung dieser Reaktion von der Art, daß er noch tiefer sinkt.
Wenn der Marktpreis der Arbeit unter dem natürlichen Preis
steht, so ist die Lage der Arbeiter sehr bedauernswert, indem ihre
Armut sie dann derjenigen Dinge beraubt, die ihnen durch Gewohnheit
anentbehrlich geworden sind. Nur dann, wenn durch Entbehrungen
die Zahl der Arbeiter vermindert worden, oder die Nachfrage nach
Arbeitern wächst, steigt der Marktpreis der Arbeit wieder bis zu
seinem natürlichen Preis und der Arbeiter kann sich nun wieder die
mäßigen Genüsse verschaffen. die der natürliche Preis der Arbeit
erlaubt.
Ungeachtet der Arbeitslohn auf seinen natürlichen Preis wieder
herabzusinken pflegt, so kann doch der Marktpreis desselben in einem
Staate, welcher der Civilisation entgegenschreitet, eine gewisse Zeit
hindurch sich stets über demselben halten, denn wenn eben der Impuls,
der durch eine Kapitalvermehrung entsteht, die Nachfrage
nach Arbeitern vermehrt hat, so kann wiederum
eine neue Kapitalvermehrung die nämliche Wirkung
hervorbringen. Geschieht diese Kapitalvermehrung in bestimmter
fortlaufender Folgereihe, so wird das Bedürfnis der Arbeiter dazu
dienen, fortdauernd die Ponulation zu befördern.“