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Wiener
Schule.
Zerücksichäügung
des
ethischen
Momentes.
am sich über die praktischen Aufgaben der Zeit genügend zu informieren.
Daß aber die neuere historische Schule in derselben Weise vorgegangen
ist, bedarf keiner weiteren Ausführung, und der beste Beleg dafür
war die (jründung des „Vereins für Sozialpolitik“ im Jahre 1872, der
sich zur Aufgabe stellte, dem freihändlerischen Treiben des „volkswirtschaftlichen
Kongresses“ entgegenzutreten, durch gründliche, rein
wissenschaftliche Untersuchungen der wirtschaftlichen Zustände und
Drucklegung derselben zur Klärung der Anschauungen beizutragen
and durch öffentliche Diskussionen über die gesetzgeberischen Aufzaben
in Deutschland die extrem liberalen Anschauungen zu bekämpfen.
Er stellte es sich zur besonderen Aufgabe, das Eingreifen der Staatszewalt,
namentlich zum Schutze der unteren Klassen, als notwendig
nachzuweisen, und damit unmittelbar in das praktische Leben einzuzreifen.
Die Gründer dieses Vereins waren hauptsächlich Dozenten
der Nationalökonomie, und unter ihnen auch die Hauptführer der
neueren historischen Richtung, Ja wir gehen einen Schritt weiter und
behaupten im Gegensatze zu der gewöhnlichen Auffassung; daß die
nistorische Schule weit mehr für die Volkswirtschaftspolitik als für die
Nationalökonomie geleistet hat, und daß sie ihre hauptsächliche Berechtigung
gerade darin zu finden vermag, daß für die Fortbildung der
Gesetzgebung das Studium der historischen Entwickelung unerläßlich ist.
Die Theorie haben in der neueren Zeit auf deutschem Boden hauptsächlich
Männer wie Neumann, Adolf Wagner, Dietzel u. a.
wesentliich gefördert, dagegen nur wenig die Historiker. Das ist hauptsächlich
darauf zurückzuführen, daß sie der deduktiven Methode, dann
dem Ausbau der Begriffsdefinitionen, ein zu geringes Interesse, ja man
kann sagen, Mißachtung (Adolf Held, Brentano) entgegenbrachten,
jbwohl die Feststellung der Grundbegriffe naturgemäß die erste Aufzabe
für eine jede Wissenschaft ist, wofür in der jungen Disziplin der
oolitischen Oekonomie noch unendlich viel zu thun ist, und Deduktion
ei keiner wissenschaftlichen Forschung entbehrt werden kann. Nach
lieser Richtung ist besonders die Wiener Schule, die sich die exakte
ıennt, (Carl Menger, von Böhm-Bawerk, Wieser u. a.) er-‘olgreich
aufgetreten, der wir wesentliche Anregung und Aufklärung über
verschiedene theoretische Fragen verdanken. Die Wiener Schule geht
von dem einzelnen Menschen in seiner Isoliertheit aus und sucht aus
seiner Natur die wirtschaftlichen Handlungen zu erklären und vorauszubestimmen.
Sie hat bewiesen, daß sich dadurch wichtige Aufschlüsse
über komplizierte Vorgänge im Wirtschaftsleben gewinnen
assen, aber ebenso, daß man damit allein nicht auskommt. Sie hat
zerade der Volkswirtschaftspolitik im ganzen nur wenig Aufmerksamzeit
zugewendet, schon mehr der Finanzwissenschaft. So ergänzen sich
ıeide Richtungen in vortrefflicher Weise.
Die Adam Smithsche Schule trennte in ihrer Untersuchung das
wirtschaftliche Leben von dem politischen und sozialen. Wir sahen,
laß dem gegenüber schon Sismondi mit Nachdruck hervorhob, daß
Jas ethische Moment dabei zu kurz gekommen sei und eine richtige
Beurteilung wirtschaftlicher Fragen nur möglich ist, wenn der Mensch
als gesittetes Kulturwesen aufgefaßt wird, dessen Handlungen ebenso
von ethischen Rücksichten geleitet werden, wie von denen der materiallen
Bedürfnisbefriedigung. Diesen Anschauungen ’schloß sich auf
Jas Entschiedenste Bruno Hildebrand an. Sie sind in der ganzen
neueren deutschen Schule grundlegend gewesen. Hiermit steht im