Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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engsten Zusammenhange die Auffassung des Staates und seiner Auf- 
gaben. 
Wie gleichfalls bereits Sismondi im Gegensatz zum Smithianis- 
mus dem Staate höhere Kulturaufgaben stellte, die Harmonie zwischen 
Privat- und Gesamtinteresse leugnete und das Eingreifen der Staats- 
gewalt zum Schutze des Schwächeren in dem allgemeinen Konkurrenz- 
kampf für unumgänglich notwendig erachtete, so stand auf diesem 
Boden voll und ganz die alte historische Schule und dann die ganze 
neuere deutsche Richtung. Sie tritt aber damit in einen entschiedenen 
Gegensatz zum Sozialismus, daß sie sich auf die Grundlage des Indi- 
vidualismus stellt, die individuelle Freiheit und Selbständigkeit im 
allgemeinen als etwas Selbstverständliches voraussetzt und nur als 
Ausnahmen durch Gesetzgebung und Verwaltungsmaßregeln Schranken 
aintreten lassen will. Die Erkenntnis hat sich immer allgemeiner 
durchgerungen , daß die höheren Kulturzwecke nur durch den Staat 
arreicht werden können, dem damit wieder eine höhere Stellung mit 
idealeren Aufgaben gegeben ist, als sie die alte Schule anerkannte, 
Auf der anderen Seite wird dem Menschen nicht das Aufgeben seiner 
Individualität und Menschenwürde und ein völliges Aufgehen im Staate 
zugemutet, wie es der Sozialismus verlangt. Die neuere sozialpolitische 
oder realistische Schule perhorresziert deshalb mit besonderer Schärfe 
das schrankenlose Sich-Selbst-Ueberlassen des Einzelnen, wie es der 
Anarchismus erstrebt, und acceptiert den modernen Staat, um das 
Zurückfallen in das Chaos und die Versumpfung in den kulturlosen 
Zustand zu vermeiden. Sie erkennt als das zu lösende Problem an: 
die Individualität der Einzelnen zur vollen Entwickelung zu bringen 
und in möglichster Freiheit das Gefühl der Selbstverantwortlichkeit in 
jedem Mitgliede der Gesellschaft zu pflegen, aber doch die gesamte 
Kultur in erster Linie zu fördern, das Interesse des Kinzelnen stets 
dem Gesamtinteresse unterzuordnen. 
Auffassung 
Jes Staates.
	        
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