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Bedürfnis-
steigerung.
Eooismus.
nötige Arbeitsgelegenheit geboten werden können. Jede Hebung der
Lebensbedingungen der unteren Klassen stellt an die Arbeitskraft des
Landes die gewaltigste Anforderung, und eine Grenze für diese Ent-
vickelung ist kaum abzusehen,
Auf niederer Kulturstufe ist dagegen die Weckung der Bedürf-
nisse das erste Erfordernis zur Hebung des Fleißes. Das Unbehagen
lurch die Nichtbefriedigung desselben muß größer sein als das Be-
hagen bei dem sich der Trägheit Hingeben. Der Neger beginnt erst
zu arbeiten, wenn in ihm das Streben wachgerufen ist, sich bunte
Zeuge, Schmucksachen, alkoholische Getränke zu verschaffen, und dieses
Streben so stark ist, daß er lieber die Anstrengungen der Arbeit auf
sich nimmt, um sich das Nötige zu verdienen, als träge hin zu vege-
tieren. So lange der russische Bauer sich bei seinen geringen Bedürf-
nissen völlig wohl fühlt, ist er für einen Kulturfortschritt nicht reif.
Erst wenn er darnach strebt, sich mehr Mittel zu verdienen, wird er
auch geneigt sein, etwas zu lernen, um seine Leistungsfähigkeit zu er-
höhen, es ist die erste Anregung, um sich auch geistig höher zu bil-
den, Die Trägheit ist aber überall in der Menschheit verbreitet, und
es bedarf eines Anstoßes, um sie zu überwinden. Der Reiz, sich mehr
Genüsse zu verschaffen, ist am meisten geeignet, die natürliche Träg-
heit zu überwinden,
Die Steigerung der Bedürfnisse ist aber nicht unter allen Um-
ständen förderlich. Sie kann auch über das richtige Maß hinaus-
zehen. Das wird der Fall sein, wenn die Entwickelung der Leistungs-
fähigkeit nicht mit der der Bedürfnisse Hand in Hand gegangen ist,
und dadurch die Gefahr erwächst, daß die angeregten Bedürfnisse
keine Befriedigung finden, wodurch Unzufriedenheit entstehen muß.
8 10.
Das Privatinteresse als wirtschaftliches Agens.
% „Schmotler, Volkswirtschaftslehre, -methode, Handwörterbuch der Staatswissen-
schaften.
Menger, Untersuchungen über die Methode der Socialwissenschaften, Wien 1883.
Dietzel, Beiträge zur Methodik der Wirtschaftswissenschaft, Jahrb. f, National-
jkonomie. N. F., IX, 1884,
4. Wagner, Grundlegung, 1. Buch. Leipzig 1894,
Der Mensch ist aber nicht nur in Bezug auf seine Bedürfnisse
;roßen Wandlungen unterworfen, sondern auch in seinen Begriffen
ron Recht und Sitte, wodurch auch die Thätigkeit zur Befriedigung
ler Bedürfnisse, also die ganze Volkswirtschaft große Modifikationen
arfahren muß. - Die Adam Smithsche Schule ging davon aus, daß das
Privatinteresse, der Egoismus, die wirtschaftliche Thätigkeit hervorrufe
ınd leite, und gewiß ist dieses richtig. Sie ging aber noch einen
Schritt weiter und sah dieses Privatinteresse als bei allen Menschen
zleich an, so daß dadurch die wirtschaftliche Thätigkeit überall in der
zleichen Weise beeinflußt würde. Sie glaubte daher allgemein wirt-
zchaftliche Naturgesetze aufstellen zu können und sah in der Auffin-
Jung derselben die Aufgabe der Wissenschaft. Das ist indes nicht
richtig, Der Egoismus, wie er hier in Betracht kommt, ist offenbar
aufzufassen als das Streben, in sich das Gefühl der Zufriedenheit her-
zustellen. Bei dem Eintreten des Gefühls des Hungers, also auf Grund
des Nahrungsbedürfnisses, wird der Mensch allgemein darnach streben,
durch Verschaffung von Nahrungsmitteln und Genuß derselben sich