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Nachteile der
Arbeits-
teilung.
gezogen, führt dasselbe auf ein kleines Rad, auf welchem es von selbst
auf einer Schiene langsam weiter fährt, einen zweiten Mann passiert,
der nichts thut als dem vorbeifahrenden Schweine mit einem Stich am
Halse die Schlagader zu öffnen. Während das Tier auf der Schiene
weiter fährt, verliert es das Blut, welches in einer Rinne aufgefangen
wird. Am Ende der Schiene fällt es von selbst in einen großen Kessel
mit heißem Wasser, wird darin umgewälzt und in einen Cylinder ge-
schoben, in dem eine Maschine die Borsten abschabt. Sobald es aus
dem Cylinder unten -herausfällt, werden die Reste der Borsten von ein
paar Arbeitern ergänzend beseitigt und das Tier wieder mittelst Ketten
auf eine neue Schiene hinaufgezogen, auf der es weiter in den Arbeits-
raum rollt, um zerteilt zu werden. Der erste der in einer Reihe
stehenden Arbeiter schlitzt den Leib auf, der zweite nimmt einen Teil
der Eingeweide heraus, der dritte und vierte die übrigen, um sie in
bestimmte Fässer zu verteilen; die Folgenden zerlegen das "Lier in
wenig Minuten in verschiedene Teile, die daon als Schinken, Speck-
seiten etc. zur weiteren Behandlung in die einzelnen Abteilungen des
großen Etablissements gelangen. In kaum anderthalb Stunden ist der
Schlachtprozeß beendigt und es können hunderte von Tieren pro
Arbeiter auf diese Weise an. einem Tage mit Hinzuziehung der
Maschinen geschlachtet werden, obgleich die Hauptleistung der mensch-
lichen Hand vorbehalten bleibt, die aber durch die Organisation zu so
ungleich höherer Leistung gebracht werden konnte. In einer Stunde
können dort 800 Schweine und 300 Ochsen geschlachtet werden.
Nach allem wird durch die Arbeitsteilung eine gewaltige Er-
höhung der Leistungsfähigkeit des Einzelnen wie die größte Ausnutzung
der vorhandenen Kräfte in der Volkswirtschaft erzielt. Sie bildet
ainen Teil und einen Hauptfaktor der kolossalen volkswirtschaftlichen
Entwickelung der neueren Zeit, ist aber in solcher Weise nur durch
Zuhilfenahme von Maschinen möglich.
Diesen unzweifelhaften Vorteilen stehen nun aber erhebliche
Nachteile gegenüber, die eine lange Zeit unterschätzt und ignoriert
wurden. Meinte die Adam Smithsche Schule, daß nach einem
allgemeinen wirtschaftlichen Naturgesetze durch Ausdehnung der
Arbeitsteilung die wirtschaftlichen Leistungen immer mehr gesteigert
würden, so hat die Erfahrung bewiesen, daß durchaus eine Grenze
vorliegt, wo eine Weiterführung der Arbeitsteilung nicht nur keinen
erhöhten Nutzen, sondern im Gegenteil eine Verringerung der Leistungen
and sonstige Nachteile in sich schließt, und ferner, daß unter ver-
schiedenen Verhältnissen die Wirkung einer weitgehenden Arbeits-
;eilung eine außerordentlich verschiedene ist. Bei der fortgesetzten
Ausführung einer einseitigen Arbeit erlahmt schließlich auch die höchst
ausgebildete Muskelkraft, und die Leistungsfähigkeit wird gehoben,
wenn zur Abwechslung eine andere Thätigkeit übernommen wird, die
andere Muskeln anspannt und den zuerst angestrengten Ruhe ver-
achafft. Der Nagelschmied kann nicht den ganzen Tag in der gleichen
Weise hämmern, er muß mit einem Gehilfen abwechseln, dazwischen
den Blasebalg in Bewegung setzen, das Feuer unterhalten und schüren.
Das einseitige Bedienen der Maschinen, das gleichmäßige Befeilen be-
stimmter Eisenstücke ermüdet nicht nur, sondern stumpft in hohem
Maße ab, so daß für den Kulturmenschen eine Abkürzung der Arbeits-
zeit notwendig wird, sowie eine ergänzende körperliche Thätigkeit und
geistige Anregung. Daher ist es für den Fahrikarbeiter wünschene.