Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

586 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
vollendet, aber doch nicht, ohne daß sich noch Nachspiele im 
Verlaufe des 18. Jahrhunderts angeschlossen hätten. Von 
ihnen soll im folgenden die Rede sein. 
Am glänzendsten, insbesondere für sterreich ehrenvollsten 
verlief das türkische Nachspiel. 
Trotz aller ihrer Niederlagen in den letzten Kriegen wollten 
sich die Türken bei dem für sie ungünstigen Ausgange des 
Friedens von Karlowitz nicht beruhigen. Und so begannen sie 
nach einer nur wenige Jahre umfassenden Vause der Kraft— 
sammlung nochmals den Kampf. 
Natürlich suchten sie zunächst den schwächsten ihrer Gegner 
zu überwältigen. Es war Rußland. In der Tat verlief der 
Kampf gegen den Zaren zu ihren Gunsten; in dem Friedens—⸗ 
schlusse am Pruth (1711) mußte Rußland Asow wieder an die 
Türkei abtreten. 
Darauf brachen die Türken gegen Venedig los. Im 
Sommer des Jaähres 1715 eroberte der Großvezier Damad 
Ali Pascha Morea in einem glänzenden Feldzuge: zugleich 
fielen die Inseln Tine und Cerigo sowie die letzten festen 
Plätze, welche die Venezianer noch auf Kreta besaßen. Und 
schon richtete sich der Angriff der Türken auf Corfu, die Tor⸗ 
schwelle der Adria; fiel die Insel, so war Venedig gefährdet 
und die türkische Frage des Mittelmeeres zu einer unmittelbar 
europäischen erweitert. 
In dieser Not hat die Venezianer ein deutscher General, 
der Graf Johann Matthias von der Schulenburg, der in kur⸗ 
sächsischen Diensten groß geworden war, gerettet. In meister⸗ 
hafter Weise verteidigte er Corfu; die Venezianer haben seine 
Verdienste anerkannt, indem sie ihm noch bei Lebzeiten auf 
der Insel ein Denkmal errichteten, das auch für unsere Tage 
noch die Erinnerung an die schweren Zeiten der Belagerung 
lebendig erhält; den protestantischen General aber hat selbst 
der Papst später empfangen und dankbar beglückwünscht. Die 
Türken mußten nach hartnäckiger, monatelanger Belagerung 
und nach einem mißglückten Sturm im August 1617 abziehen;
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.