Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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wiesen ist, dass die Fideikommissgüter weniger von der Krisis gelitten 
haben, als die grosse Masse der übrigen Güter, so ist das begreiflich, 
aber natürlich ebenso von allen Gütern zu sagen, die in Händen 
veicher Leute sind. Dadurch wird aber doch nur gesagt, dass dieser 
Reichtum durch Ausschliessung der Miterben zu erhalten ist, jene Wirt- 
schaften also auf Kosten Anderer in diesem Zustande erhalten werden. 
Je mehr die Institution Verbreitung erhielte, um so geringer würde die 
yünstige Wirkung, um so schädlicher müsste sie für die Gesammtheit sein. 
Nach allem überwiegt in unserer Zeit das Schädliche in dieserMassregeln zur 
Einrichtung, und, wo sie nicht beseitigt werden kann, wird es wenig-Milderung der 
stens die Aufgabe sein, durch besondere Bestimmungen ihre Schatten- ee 
. ; irkung. 
seiten zu mildern. 
In erster Linie kommt in Betracht die Erschwerung der Neu- 
bildung. In Preussen ist cine Steuer von 10 Proz. zu entrichten, 
[n Oesterreich hat der Herrscher seine Genehmigung zu erteilen, 
indessen ist dieses erfahrungsgemäss keine ausreichende Schranke, da 
die Fürsten sehr geneigt sind, durch diese Institution sich bestimmte 
angesehene Familien zu verpflichten. 
Die Beseitigung muss durch Majoritätsbeschluss der majorennen 
männlichen Familienmitglieder zu jeder Zeit gestattet sein, wie ebenso 
die Verkleinerung durch Verkauf einzelner Besitzstücke. Für Melio- 
rationszwecke muss die Verpfändung unter Zustimmung eines Beirates 
ermöglicht sein. Zum Schutz der nächsten Familienmitglieder müssen 
den Zeitverhältnissen entsprechende Renten ausgeworfen werden. Zur 
Stützung der beiden letzten Bestimmungen hat man mit Recht verlangt, 
dass neben den Fideikommissen an Grund und Boden Kapitalfidei- 
kommisse zur Ergänzung gestiftet werden müssen, was in hohem Masse 
beachtenswert ist. Ganz besonders aber ist es notwendig eine Grenze 
zu bestimmen, über welche hinaus Grundbesitz nicht als geschlossen 
erklärt werden kann, wobei für Waldbesitz eine grössere Ausdehnung 
gestattet werden könnte, als für Aecker und Wiesen, wenn die Ge- 
fahr nicht vorläge, dadurch die Ausdehnung des W. aldes auf Kosten der 
landwirtschaftlich benutzten Fläche künstlich zu begünstigen. de klei- 
ner das Territorium ist, auf welches sich die Fideikommisse beschrän- 
ken, um so geringer werden die Nachteile derselben sein. 
Wir geben in dem Folgenden eine statistische Uebersicht über 
die Ausdehnung der Fideikommisse in Preussen und Oesterreich, 
Das Areal der Fideikommisse im preussischen Staate betrug im 
Jahre 1895 nach der offiziellen Statistik in 1045 Fällen 2,121,636 ha 
Fläche, d. s. 6,09 % der Gesamtfläche. Fast die Hälfte davon ist Wald, 
welcher 11,65 %, des preussischen Waldbestandes ausmacht. Der 
Grundsteuerreinertrag ist auf 26 Millionen Mark geschätzt, 5,8 % 
des Gesammtbetrages des Landes. Die grösste Ausdehnung haben die 
Fideikommisse in Schlesien mit 13,7 %, der Fläche, die geringste 
in Hannover und im Rheinland mit 2,1 und 2,6 %,. Ein bedeu- 
tender Teil betrifft grosse Komplexe. 89 Fideikommisse umfassen 
Besitzungen mit mehr als 5000 ha im ganzen 1,3 Millionen ha; 343 
sind mit weniger als 500 ha angegeben, zusammen mit 77009 ha oder 
nur 3,64 %/%, der Fideikommissfläche. 
In den 7 östlichen Provinzen sind 1851 Güter und Vorwerke, 
114 Torsten. 8 Höfe und 2 Feldınarken fideikommissarisch gebunden, 
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