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Statistik.
aufbringen. Erhielt er sich auch längere Zeit im Besitz, so war von
einem günstigeren Verkauf keine Rede. Unter diesen Verhältnissen
liegt jetzt nicht nur kein Anreiz mehr für den jungen Landwirt vor,
mit geringem Kapital ein grosses Gut zu kaufen, sondern im Gegen-
teil eine ganz. ausserordentliche Gefahr. War ein solches Vorgehen
in früheren Zeiten ganz gerechtfertigt und cine Verschuldung mit zwei
Drittel, selbst drei Viertel noch erträglich, so ist sie jetzt völlig erdrückend,
and ein solches Vorgehen der grösste, nicht scharf genug zu verur-
teilende Leichtsinn. Dazu kommt, dass heutigen Tages nur noch das
Betriebskapital bei intelligenter, landwirtschaftlicher und kaufmän-
nischer Verwertung eine gute Verzinsung in Aussicht stellt, während
der Kaufwert der Güter in Folge der grossen Beharrlichkeit, mit der
die augenblicklichen Besitzer sich dagegen sträuben, ihr Grundstück
mit Verlust zu verkaufen, immer noch höher ist als der Ertragswert.
Wenn nun in der neueren Zeit gleichwohl die hypothekarische
Schuldenlast fortdauernd in bedeutendem Masse, auch bei den länd-
lichen Grundstücken gestiegen ist, so ist dieses einmal darauf zurück-
zuführen, dass sich namentlich die kleinen Landwirte daran gewöhnt
haben, in erweitertem Masse den Realkredit gegenüber dem bisher her-
angezogenen Personalkredit auszunutzen; in zweiter Linie aber wohl,
dass sich infolge der ungünstigen Konjunkturen und unzulänglicher
Reinerträge in steigendem Masse laufende Schulden angehäuft haben,
die dann schliesslich zur Sicherung des Gläubigers eingetragen werden
mussten. Denn es ist kaum anzunehmen, dass die jungen Landwirte
aoch immer in Verkennung der Situation sich mit unzureichenden
Mitteln ankaufen, oder, wenn das der Fall ist, würden die häufigen Bank-
rotte der Gutsbesitzer mehr dem Leichtsinn der Landwirte, als der
Ingunst der Verhältnisse zur Last zu legen sein.
Die Statistik der hypothekarischen Verschuldung ist leider eine
ausserordentlich unvollkommene. Erst in der neueren Zeit giebt sie
iber die Neueintragungen und Löschungen in einer Anzahl Ländern
Auskunft, aber nur in ausserordentlich wenigen und kleinen Ländern
gennen wir die Höhe der ganzen eingetragenen Schuld. Aber auch
diese kann erst richtig ‚gewürdigt werden, wenn wir den Wert der
Grundstücke kennen und damit das Verhältnis der Verschuldung zum
Werte festzustellen vermögen. Dieser Wert ist aber nur bei der Grund-
steuerveranlagung ermittelt, die meistens schon vor langer Zeit erfolgte,
so dass sie für unsere Zeit nicht mehr massgebend ist und schon da-
mals nicht dem Kaufwert, auch nicht dem thatsächlichen Ertragswert,
sondern nur einem ideellen Durchschnittswert nach dem KErtrage, der
nach der gemeingewöhnlichen Wirtschaftsmethode von einem jeden er-
zielt werden konnte, entsprach. Die bei Kauf-, Pacht-, Erbschaftsver-
;rägen gezahlten Summen werden heutigen Tages nicht mehr wie
früher in die Grund- und Hypothekenbücher allgemein eingetragen, da-
mit fällt der beste Anhalt fort, aus dem der Grundwert festgestellt
werden könnte, und damit ist auch die Aussicht gesunken, eine genaue
Statistik der Verschuldungsverhältnisse zu gewinnen.
Jährlicher Betrag der hypothekarischen Eintragungen auf den
ländlichen Grundstücken in Preussen nach Abzug der Löschunygen: