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Die Zahl der in der Forstwirtschaft beschäftigten Personen ist
eine ungleich geringere als die in der Landwirtschaft beschäftigten.
In Deutschland lebten 1895 von der Forstwirtschaft 352,566 Personen.
Erwerbsthätige wurden im Hauptberuf 111,926, im Nebenberuf 58,711
gezählt, im Ganzen 159,326 Personen.
Ueber die Grössenverhältnisse der Betriebe geben folgende Zahlen
Auskunft:
Forstwirtschaftliche Betriebe.
Betriebe davon ohne forstw. benutztes
landw. Fläche Land
unter 10Oha 857,164 89,86 % 8,549 38,79 % 1626093 ha 11,85 %
vy. 10— 100 82,531 8,65 % 6,203 28,14% 1944290 ,, 14,17 %
v. 100—1000 ,, 11,730 1,23 °% 5,890 26,72 % 3422508 „ 24,93 %
1000 u. darüber 2,449 0,26 % 1,399 6,35 9% 6733044 ‚, 49,05 %
953,574 100,00 % 22,041 100,00 % 13725980 ,, 100,00 De
Kapitel VI.
Der Bergbau.
Bedeutung.
Arndt, Theorie und Geschichte des Bergregals. Halle 1879.
Derselbe, Bergbau und Bergpolitik. Leipzig 1894.
Derselbe, Art. Bergbau, Handwörterbuch der Staatswissenschaften.
Man unterscheidet den Ausdruck Bergbau im volkswirtschaft-
lichen und juristischen Sinne, In dem ersteren versteht man die
Thätigkeit, Mineralien aus dem KErdboden loszulösen und zur Ver-
wendung hauptsächlich in der Industrie bereit zu stellen. In dem
zweiten Sinne wird nur die Gewinnung solcher nutzbaren Mineralien
aufgefasst, welche unter besonderer staatlicher Kontrolle stehen.
Der Bergbau beschäftigt weit weniger Menschen, als die Land-
wirtschaft oder die Industrie. Sehr viel bedeutender ist verhältnis-
mässig die Produktion dem Werte nach, die dadurch eine besondere
volkswirtschaftliche Bedeutuug besitzt, dass sie in der Hauptsache das
Rohmaterial für die Industrie zu liefern berufen ist, und ausserdem,
wie in der Kohle, ohne eine weitere Verarbeitung zu erfahren, ein fast
unentbehrliches Gut für den täglichen Gebrauch liefert.
Der Bergbau ist uralt, bei den Aegyptern ist er nachweislich
bereits 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung betrieben. Bei den
Assyrern und Griechen reicht er gleichfalls in die graue Vorzeit
zurück, und zwar giebt es Bergwerke, welche seit dem klassischen
Altertume bis in unsere Zeit beständig in Thätigkeit gewesen und
noch nicht erschöpft sind.
Der Bergbau unterscheidet sich von der Landwirtschaft be-
sonders dadurch, dass seine Grundlage nur in beschränkten Vorräten
vorhanden ist, die sich nicht ersetzen, so dass früher oder später eine
Erschöpfung derselben zu erwarten steht, während in der Landwirt-
schaft, wie wir sahen, bei rationellem Betriebe nicht nur keine Er-
schöpfung, vielmehr eine Bereicherung des Bodens und damit eine
Steigerung der Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft erzielt wird.
Eine fernere volkswirtschaftliche Eigentümlichkeit des B.’s liegt darin,
dass bei Inangriffnahme eines Bergwerkes oft die Unsicherheit der
zu erwartenden Erträge ausserordentlich gross ist, während sehr be-
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