Object: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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großen Arbeiten für die Landgewinnung und Trockenlegung. 
Aber ungeachtet der großen Opfer, die das Land noch immer in 
dem andauernden Kriege bringen mußte, trotz der riesigen An- 
sprüche des Handels an das Kapital, suchte und fand dieses 
doch auch im Auslande eine sich stetig mehrende, einträg- 
liche Verwendung; gerade weil man daheim viel Geld brauchte, 
mußte es sich in auswärtigen Anlagen vermehren; wurde doch 
schon um 17/00. das holländische Nationalein- 
kommen auf 18% Mill. £ Cast die Hälfte des 
englischen) geschätzt‘). In der wachsenden Kreditwirt- 
schaft fand diese Entwicklung einen günstigen Boden. Auf diesem 
Gebiete hat die städtische Macht, die sich vorzüglich in Amsterdam 
konzentrierte, noch zu einer Zeit, da ihr politisches Übergewicht 
sich schon seinem Ende zuneigte, einen überaus starken wirtschaft- 
lichen Einfluß gehabt und das Machtbewußtsein der Holländer in 
hohem Grade gefestigt. 
Kaum cin europäisches Land gab es;/'da's, 
nicht im Laufe der Zeit holländische Mittel 
in Anspruch nahm. Schon 1616 lieh der Statthalter von 
Cleve, der brandenburgische Kurprinz Geor g Wilhelm, 
248 000 fl. zu 7% von niederländischen Kaufleuten unter Garantie 
der Generalstaaten. Diese Schuld hat lange Jahre auf Branden- 
burg gelastet und Anlaß zu widerwärtigen Verhandlungen gegeben, 
da die Niederlande sich auf Grund dieser Forderung in Cleve festsetzen 
zu wollen schienen; erst 1678 quittierten die Generalstaaten gegen 
mancherlei Zugeständnisse über diese Schuld?). Im übrigen?) hat 
gerade der Staat Brandenburg-Preußen verhältnismäßig wenig hol- 
ländischen Kredit in Anspruch genommen, und, wenn es geschah, 
sich seiner Verpflichtungen pünktlich entledigt; die Anleihen von 
1793 (5 Mill. fl) und 1796 (3 Mill. fl.) wurden rechtzeitig zurückge- 
N, Davenant bei: Sombart, Kapitalismus, II, 2, S. 1050. 
?) Sie trug ihren Namen nach dem Vermittler, dem Generaleinnehmer des 
Amsterdamer Admiralitätskollegs, Peter Hoefijser (Erdmannsdörffer, 
Urk. u. Aktenstücke, IV, 9 ff.). 
3 Raule nahm 1689 für den Kurf. Friedrich III., der dringend Geld 
brauchte, in Holland Leibrenten auf, die ihm 50 000 Taler zuführten (Schück, 
I, 228). Über die Schwierigkeiten, die die Amsterdamer Makler 1691 hatten, dem 
Kurf. v. Brandenburg einen Kredit von % Mill. fl. zu verschaffen, vgl. van der 
Heim, 1, 721 
cc
	        
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