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vorhandene Gold herauszulocken?!). Diesen Zeugnissen gegenüber
verliert die zumeist allein berufene Bibelübersetzung Wulfilas nun-
mehr sehr an Schlagkraft, daß hier „faihu‘“ für „Geld“ verwendet
wird.
Die Germanen waren damals keineswegs nur Viehzüchter.
Heruler, Goten und Vandalen sind ebenso wie die Sachsen und
Friesen kühne Seefahrer gewesen, die, wie die Wikinger nachher,
nicht nur Seeraub, sondern auch Seehandel trieben*®).
Da die Wirtschaftshistoriker diese Zeugnisse für die Verkehrs-
und Geldwirtschaft bisher meist nicht beachtet und nur ganz ein-
seitig jene ihrer Darstellung zugrunde gelegt haben, die von der
Naturalwirtschaft handeln, konnten jene Theorien entstehen, die
doch nur die eine Seite der tatsächlichen Entwicklung berück-
sichtigen, nämlich die agrarwirtschaftliche. Man sieht zugleich, wie
notwendig es auch ist, die Verschiedenheiten der ökonomischen Lage
in den einzelnen Ländern zu erfassen. Es ist ganz falsch, ein ein-
heitliches Schema für diese wichtige Übergangszeit im ganzen auf-
stellen zu wollen.
So erklärt sich denn auch die merkwürdige Tatsache, daß
gegenüber jener alten Darstellung, die, wie wir sahen, noch immer
weite Verbreitung besitzt, neuestens von sehr berufener Seite für
die Zeit der Merowinger eine geradezu entgegengesetzte
Auffassung vorgetragen werden konnte. Pirenne wendet sich wider
die herkömmliche Annahme, daß die fränkische Reichsgründung
seit Chlodovech die Grundlage und den Ausgangspunkt für die
Karolingerzeit und damit auch für das Mittelalter gebildet habe*?).
Die Einfälle der Germanen haben — sagt er — der historischen
Bedeutung des Mittelmeergebietes kein Ende gesetzt. Es bleibt bei
dessen Bedeutung auch weiterhin. Erst das Auftreten der Musel-
manen habe da eine grundstürzende Veränderung bewirkt, indem
sie das Mittelmeer blockierten, so daß dadurch der Norden in der
Zeit der Karolinger gehoben wurde und stärker hervortrat.
15) Vgl. Cod. Justinian. IV, 63, 2, wo dieses Dekret wieder aufgenommen
erscheint!
16) Vgl. L. Schmidt, Gesch. d. deutsch. Stämme, ı, 69, 77, sowie ‚Gesch. d.
german. Frühzeit (1925), S. 229 ff. u. 322 ff., dazu auch W. Vogel. Gesch. der
deutschen Seeschiffahrt, ı, soff. (1915).
17) Mahomet et Charlemagne, Revue belge de philologie et d’histoire,
[, 77 £., bes. 80 (1922).
Dopsch, Naturalwirtschaft,