Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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werk nicht durchzuführen ist. Man wird deshalb einen Betrieb auch 
als fabrikmässig bezeichnen müssen, wo zwar keine Maschinen zur An- 
wendung kommen, wo aber doch die Arbeitsteilung besonders charakte- 
eistisch hervortritt, wie z. B. bei der Blumenfabrikation, welche völlig 
auf Handarbeit beruht, und wobei nur wenig ergänzende Maschinen 
zum Ausstanzen, Beschneiden, Pressen, namentlich Formenpressen zur 
Anwendung kommen. 
3. Nur dann wird man aber von Fabrikbetrieb sprechen können, 
wenn es sich um eine bedeutendere Ausdehnung des Betriebes handelt, 
und es erscheint uns als das charakteristischste Moment, dass man bei 
einer Fabrik Grossbetrieb voraussetzt, bei dem Handwerk Klein- 
betrieb. Welche Grösse aber hier als Massstab anzunehmen ist, bei 
welcher Zahl beschäftigter Arbeiter das Handwerk aufhört, die Fabrik 
veginnt, lässt sich natürlich nicht zahlenmässig abgrenzen. Bei einer 
jeden Gewerbsbranche wird hier ein anderer Massstab anzulegen sein, 
und nur bei den Extremen wird auf die Grösse das Hauptgewicht ge- 
legt werden können, während bei den mittleren Betrieben die anderen 
erwähnten Momente zur Entscheidung herangezogen werden müssen, 
Die deutsche Gewerbestatistik hat früher die Unterscheidung darin ge- 
sehen, ob der Betrieb ohne, mit bis 5 oder mehr Gehülfen durchgeführt 
wurde, bei der letzten Erhebung, ob in dem Betriebe bis 5 Personen 
oder mehr in Thätigkeit sind. Indessen ist dieses unzweifelhaft für 
Jie meisten Gewerbe viel zu tief gegriffen. Eine Werkstatt, in der 
Maschinen repariert und ab und zu auch hergestellt werden, wird auch 
jei 6 bis 10 Gehülfen ein handwerksmässiger Betrieb vorliegen, wie ebenso 
eine Schneiderwerkstatt mit der gleichen Zahl. Vielleicht reicht hier 
die Zahl von 20 Gehülfen noch nicht aus, um von einer Fabrik 
sprechen zu können. Wird aber nur eine bestimmte Kategorie von 
Kleidern hergestellt, wo das Zuschneiden mit der Maschine geschieht, 
wie ebenso das Nähen unter Zuziehung einer Motorkraft, und jede 
Person eine andere Thätigkeit übernimmt, so wird man allerdings schon 
bei 15 bis 20 Arbeitskräften das Vorhandensein einer Fabrik annehmen 
können, wie ebenso bei einer Buchbinderei, einer Schuhwarenwerk- 
statt, deren Betrieb auf Maschinen basiert ist. 
4. Man hat vielfach als Unterscheidungsmerkmal angenommen, 
dass der Handwerker in der Hauptsache auf Bestellung für das 
konsumierende Publikum arbeitet, der Fabrikant dagegen auf Lager, ohne 
erst Bestellungen abzuwarten. Indessen trifft dieses nur für wenige Branchen 
zu. Wir erinnern daran, dass auch in früheren Zeiten schon der Hand- 
werker auf Vorrat arbeitete und mit seinen Waren den Markt besuchte, 
während besonders in England grosse Fabrikanten bis in die Gegenwart 
hin gar nicht auf Vorrat Waren herstellen, sondern nur so weit ihnen 
Bestellungen zugehen, wie z. B. die Kattundrucker, die nur die Muster 
ausführen und in der Ausdehnung als sie Aufträge erhalten haben, wo- 
bei allerdings Kaufleute die Besteller sind. In Deutschland übernehmen 
dagegen die Kattundrucker die kaufmännische Thätigkeit und somit 
ihr Risiko weit häufiger selbst und stellen nach Gutdünken so viel 
Ware her, wie sie glauben absetzen zu können, Es wird deshalb der 
Nachdruck mehr darauf zu legen sein, ob die Bestellungen von den 
Konsumenten oder den Kaufleuten yemacht werden, und dieses führt
	        
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