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Arbeitslosig-
keit.
Missachtung
der Arbeiter-
klasse.
des Zunftmeisters trat, während der ländliche Arbeiter meist in der
eigenen Familie, oder als Scharwerker in dem Hause eines anderen
Arbeiters als Familienmitglied Jahre lang fortarbeitete, bevor er selb-
ständig auftreten konnte, gehen jetzt die Knaben der Arbeiterklasse in
die Städte, in die Fabriken und Bergwerke in dem Alter von 14, 15
Jahren, bevor von irgend einer Befestigung des Charakters die Rede
sein kann, sich selbst überlassen, ohne einen jeden Halt in Schlafstelle
und werden den Versuchungen der Grossstadt wie der methodischen Ver-
führung gewissenloser Agitatoren und rohen Gesindels preis gegeben.
Unter solchen Verhältnissen kann es gar nicht anders sein, als dass
die jugendlichen Arbeiter einer zunehmenden Verwilderung verfallen,
eine jede Autorität, die elterliche wie die staatliche verloren geht und
damit der Boden vorbereitet wird, auf dem vor allem die sozialdemokratische
Saat in üppiger Weise aufwuchert. Hier wird sich sicher das Ein-
greifen der Staatsgewalt als notwendig erweisen, um wenigstens bis
zum 18. Jahr die Unterbringung jugendlicher Arbeiter in bestimmten
Familien oder Anstalten durch Eltern oder Arbeitgeber zu verlangen
und sie unter besondere Kontrolle zu stellen. Nur wenn für die Wurzel
angemessen gesorgt wird, kann ein gedeihlicher Baumwuchs erwartet
werden, und kein Opfer dürfte hierfür zu gross erscheinen.
Allgemeiner anerkannt und schon von uns berücksichtigt sind die
Uebelstände, welche die Entwicklung unseres modernen Grossbetriebes
durch die Schwankungen bei der Beschäftigung der Arbeiter unter
zeitweiliger Arbeits- und Verdienstlosigkeit derselben mit sich geführt
hat. Hier liegt, wie ausgeführt, eine berechtigte Ursache zur Unzu-
friedenheit vor. Die Bitterkeit der Not des Arbeiters wird vielfach
noch verschärft durch die Beobachtung, dass der Unternehmer seinen
Schaden aus der ungünstigen Konjunktur eben dadurch auf ein Mini-
mum verringern kann, dass er eine grosse Zahl der Arbeiter entlässt
und anderen nur zeitweise Arbeitsgelegenheit gewährt, während er von
günstigen Konjunkturen reichen Gewinn zu erzielen vermochte, indem er
eine grosse Zahl von Arbeitern zur Erweiterung seiner Thätigkeit viel-
fach aus gesicherten Stellungen durch das Angebot höherer Löhne her-
auslockte, die er dann, als nicht mehr so reicher Profit durch sie zu
erzielen war, auf die Strasse warf. Ist dieser Punkt auch bereits
wiederholt berührt, so ist er doch zu wichtig, um nicht hier noch ein-
mal darauf hinzuweisen und später ein näheres Eingehen darauf zu
beanspruchen. In der gleichen Weise müssen wir noch besonders die
Kalamität der arbeitenden Klassen behandeln, die durch Krankheit,
Altersschwäche etc. für sie vorhanden ist, und durch welche sie bis-
her in grosser Ausdehnung zu Almosenempfängern degradiert wurden.
Es ist bekannt, wie man in der neueren Zeit, vor allem in Deutsch-
land. dem durch die Arbeiterversicherung entgegenzutreten bestrebt ge-
wesen ist; aber auch zugleich wiederholt von der Staatsregierung an-
erkannt. ist, dass das bisher Geleistete noch nicht ausreichend ist, man
vielmehr erst in den Anfängen der Massregeln steht und der nächsten
Zukunft weitere bedeutsame Aufgaben gestellt sind.
Schliesslich ist noch eine Ursache der Unzufriedenheit in unseren
Arbeiterkreisen zu konstatieren, welche in höherem Masse in Deutsch-
‚and als in den anderen Kulturländern vorhanden ist. Das ist die
Geringschätzung und geradezu unwürdige Behandlung, welcher die