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zu erlangen war, oder mit übermässigen Opfern in 29 Ländern erkauft
werden musste, um die Verwertung sich selbst in einem grösseren
Territorium vorzubehalten.
2. Die Patente bekämpfen die Geheimniskrämerei, durch welche in
früheren Zeiten so manche wertvolle Erfindung verloren gegangen ist,
weil der Erfinder aus Furcht, den Vorteil einzubüssen, sie für sich
behielt und sein Geheimnis mit ins Grab nahm. Eine angemessene
Patentgesetzgebung wirkt dagegen auf eine schnelle und weite Ver-
breitung der Neuerung hin, indem sie die vollständige Publikation ver-
langt, so dass jeder Fachmann imstande ist, sich über die Bedeutung
derselben zu informieren, und von derselben gegen eine angemessene
Entschädigung Gebrauch zu machen. Hiermit hängt zusammen, dass
die Ausländer bestrebt sind, ihre Erfindungen in anderen Ländern
durch: Erlangung eines Patentes bekannt zu machen, um sich vor der
unberechtigten Ausbeutung zu schützen. Bis 1877 waren in England
und Amerika die Deutschen ganz besonders gefürchtet und wurden in
Fabriken ete. nicht hineingelassen, weil man stets befürchtete, dass
sie sich derartige Erfindungen anzueignen und in ihrer Heimat zu
verwerten trachteten; und der deutsche Name war gerade deshalb dort
wenig geachtet und mit Misstrauen angesehen. Seit der Durchführung
eines allgemeinen deutschen Patentgesetzes, welches liberale Anschauungen
vertritt, ist dieser Gegensatz gefallen. Englische und amerikanische
Erfindungen werden möglichst schnell in Deutschland patentiert, damit
aber auch in deutschen Zeitschriften dargestellt, besprochen und em-
pfohlen.
3. Die Gegner der Patente wenden hiergegen wiederum ein, dass
das Patentobjekt zum Schaden des Publikums verteuert und damit die
Entwicklung der Industrie gehemmt wird. Indessen ist im Auge zu
behalten, dass gleichwohl ein Fortschritt für die Gesamtheit damit ver-
bunden ist, da die bisherige Produktion durch das Patent unberührt
bleibt, und nur die Neuerung nicht sofort allen ungeschmälert über-
lassen wird. Bei einer angemessenen Patentgesetzgebung wird dieses
überreichlich aufgewogen durch die Förderung der Erfindungen und
ihrer schnellen Bekanntmachung. :
Wichtiger ist der Einwand einer übermässigen Anhäufung von
Pateuten, wodurch die freie Bewegung in der Industrie gehemmt wird.
Wenn in einem Industriezweige, z. B. in der chemischen Industrie, die ver-
schiedensten Herstellungsmethoden, in solcher Weise monopolisiert werden
and ebenso die verschiedensten Verbesserungen an Maschinen, so: sind
die Unternehmer in Gefahr bei einer jeden Verbesserung, die sie vor-
nehmen und jedem veränderten Verfahren mit irgend einem Patent in
Konflikt zu kommen und in Prozesse verwickelt zu werden. Wenn
dann die Patentinhaber noch mit übermässigen Forderungen auftreten,
namentlich wenn Ausländer die Inhaber sind, so kann dadurch eine
Benachteiligung für die Industrie allerdings vorliegen. Auch dieser
Einwand wendet sich aber nicht gegen das Prinzip, sondern nur gegen
die :Unvollkommenheit der bisherigen Patentgesetzgebung. Es ist eben
notwendig, darauf hinzuwirken, dass alle Patente, welche nicht eine
höhere Bedeutung haben, in möglichst kurzer Zeit wieder beseitigt
werden. Nach dem Ausgeführten ergeben sich nun die Hauptgesichts-
punkte für eine gute Patentgesetzgebung von selbst.