Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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bereits viel gewonnen, und beide Vereine traten schnell in nähere Be- 
ziehung. Schon ein Jahr darauf, 1829, traten Sachsen und eine Anzahl 
mitteldeutscher Staaten zu einem mitteldeutschen Handelsverein 
zusammen, dessen Hauptaufgabe indessen nur darin bestand, sich ge- 
schlossen dem preussischen entgegen zu stämmen. Gleichwohl gelang 
es Preussen noch in demselben Jahre, mit Gotha und Meiningen 
Verträge zu schliessen, wodurch der Handelsverkehr zwischen dem 
norddeutschen und süddeutschen Zollverein auf zwei grossen Strassen 
freigegeben wurde, 1831 schloss sich Kurhessen an den nördlichen 
Verein an. Endlich im Jahre 1833 gelang es durch Spezialverträge, 
die verschiedenen Vereine zu einem gemeinsamen deutschen Zollverein 
zusammen zu schliessen, der am 1. Januar 1834 in das Leben trat. 
Er vereinigte 18 deutsche Staaten mit gegen 23 Millionen Einwohnern. 
Damit war ein grösseres Territorium mit einheitlichem Zolltarif und 
endlich innerem freien Verkehre gewonnen und ein bedeutender Schritt 
auch zur politischen Einigung Deutschlands gemacht. Es war einer der 
bedeutendsten Momente in der neuzeitlichen Entwicklung Deutschlands. 
Der Amerikaner Perry sprach noch Anfang der siebziger Jahre in seinem 
weit verbreiteten, viel benutzten Lehrbuch der politischen Oekonomie 
aus: Deutschland habe durch die Gründung des Zollvereins mehr für 
die Wissenschaft gethan, als durch seine theoretischen Schriften. 
Freilich wusste er, wie wir persönlich konstatieren konnten, nichts von 
der Existenz eines Heinrich von Thünen, Herrmann, Roscher u.8.w. 
Der Vertrag zwischen den Zollvereinsstaaten wurde zunächst auf 
8, dann auf 12 Jahre geschlossen. Jedem Lande war bei Aenderungen 
des Zolltarifes ein Einspruchsrecht gewahrt, jedes Land hatte die Zoll- 
verwaltung an der eigenen Grenze zu übernehmen. Die Zolleinkünfte 
wurden nach der Bevölkerungszahl verteilt, wobei indessen einzelnen 
Ländern, z. B. Hannover, später ein gewisser Vorzug eingeräumt war. 
Dass bei dieser Selbständigkeit der einzelnen Länder nur schwer die 
Einigkeit aufrecht zu erhalten war, und schwere Kämpfe durchgemacht 
werden mussten, ist leicht erklärlich; zumal der prinzipielle Gegensatz 
vorlag, dass die süddeutschen Staaten schutzzöllnerisch, Preussen da- 
gegen freihändlerisch gesinnt waren. Die grosse Wohlthat der Beseiti- 
gung der Binnenschranken trat aber so scharf zu Tage, dass an eine 
Neuaufrichtung derselben nicht ernstlich gedacht werden konnte, und 
bei allen aufeinander platzenden Gegensätzen schliesslich die Not- 
wendigkeit einer Einigung die Entscheidung brachte. Preussens Ein- 
fluss überwog in der Hauptsache, und so wurde denn der preussische 
Tarif zunächst massgebend auch für die Zollvereinstarife. 
Oesterreich hatte von jeher dieses Einigungswerk mit scheelen 
Augen angesehen, ohne aber zunächst eine praktische Einwirkung zu 
versuchen. Erst nach dem Sturze Metternichs und dem KEintritte 
des Fürsten Schwarzenberg als Leiter Oesterreichs begann es ernstlich 
an eine Vereinigung mit dem Zollverein zu denken, der dann natürlich 
unter die Herrschaft Oesterreichs gebracht werden sollte. Der öster- 
reichische Handelsminister Baron von Bruck erkannte in einer Denk- 
schrift von 1850 rückhaltslos an, dass ein politischer Verein nur noch 
auf Grund einer Zollvereinigung bestehen könne und einen Sinn habe, 
und wenn Oesterreich einen Einfluss auf Deutschland ausüben wolle, 
dieses nur durch einen deutsch-österreichischen Zollverein geschehen 
‚ründung des 
deutschen 
Zollvereins, 
\esterreichs 
Stellung.
	        
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