Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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und von dort gefärbt wieder in das Heimatland zurückkehren. Dieser 
Veredelungsverkehr kann in dem Interesse beider Länder liegen, aber 
durch die Verzollung unmöglich gemacht sein. Das Zoll erhebende 
Land würde nur einem heimischen Produktionszweige Arbeit und Ver- 
dienst entziehen, ohne davon irgend einen Gewinn zu haben, die zoll- 
freie Gestattung des Veredelungsverkehrs ist deshalb das einzig richtige 
Verfahren. 
Da mit der Neuauflegung eines Zolles das Bezugsland, wie wir 
sahen, mehr oder weniger geschädigt wird, so pflegt eine solche Mass- 
regel sehr bald durch Erhöhung eines ‚entsprechenden Zolles einen 
Gegenschritt zu veranlassen, wodurch das erstere Land möglichst empfind- 
lich getroffen wird. Die Folge davon ist dann häufig der Ausbruch 
eines vollständigen Zollkrieges, indem jedes Land das andere möglichst 
durch Zollerhöhungen zu schädigen sucht. Das war das allgemeine Ver- 
fahren in dem merkantilistischen Zeitalter, und der Gegensatz der ver- 
schiedenen Länder wurde dadurch in bedenklichem Masse gesteigert. 
In einer Zeit wie der gegenwärtigen, wo durch die enorm ausgebildete 
internationale Arbeitsteilung die wirtschaftlichen Interessen der ver- 
schiedenen Länder so eng verbunden sind, wirkt ein solcher Zollkrieg 
ungleich schlimmer als in früheren Jahrhunderten, und die Behauptung 
ist gewiss nicht zu weitgehend, dass die Kriege im 20. Jahrhundert 
hauptsächlich durch Gegensätze wirtschaftlicher Interessen herbeigeführt 
werden dürften. Die merkantilistische Anschauung, dass der Vorteil 
des einen Landes am besten durch die Schädigung des anderen gewahrt 
werden könne, ist gegenwärtig als überwunden anzusehen. Ebenso 
wie man erkannt hat, dass bei einem jeden richtigen Handelsgeschäfte 
beide Teile gewinnen müssen, so hat man sich klar gemacht, dass an 
die Stelle des Kampfes auch zwischen verschiedenen Ländern das solide 
Handelsgeschäft treten muss, d. h. die Abschliessung von Zollverträgen, 
die aufgebaut sind auf sorgfältiger Erwägung der beiderseitigen Inter- 
essen, um durch Gewährung von Konzessionen wiederum Konzessionen 
zu erhalten. Dabei kommt es allerdings darauf an, eine klare Ueber- 
sicht zu haben, sowohl was das eigene Interesse erfordert, als was für 
den anderen Teil von besonderer Wichtigkeit ist, also ebenso den Wert 
dessen zu schätzen, was man empfängt, wie das Aequivalent, das man 
dafür giebt. Wenn der Fürst-Reichskanzler von Bismarck sich ge- 
legentlich dahin äusserte, dass bei einem solchen Handelsvertrage es 
nur darauf hinauskomme, wer den Anderen am besten zu übervorteilen 
vermag, so trifft das für ein jedes Handelsgeschäft zu, und die Auf- 
gabe ist es allerdings für die Regierung, dabei die eigenen Interessen 
vollgültig zu wahren. Wenn sich nun in früheren Zeiten herausgestellt 
hat, dass dabei die deutschen Interessen nicht genügend gewahrt waren, 
und er deshalb die Handelsverträge mit besonderem Misstrauen ansah, 
so war das eben auf den deutschen Bureaukratismus zurückzuführen, 
nach dem nur juristisch gebildete Beamte, die dem Range nach einen 
Anspruch darauf hatten, an den Vertragsverhandlungen teilnahmen 
und es für unter ihrer Würde hielten, sich von praktischen Kaufleuten, 
Industriellen ete. die nötigen Unterlagen zu verschaffen, die zur Be- 
urteilung der Interessen des eigenen Landes notwendig waren. Die 
Berichte der ausländischen Kaufleute, welche den Konsulatsdienst im 
Auslande versahen oder gar der Herren der hohen Diplomatie, waren eben- 
Gefahr der 
Zzollkämpfe. 
Zollverträge,
	        
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