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abtrennen. Der Spediteur benutzt wieder den Fuhrmann, die Eisen-
bahn, um seinen Zweck zu erreichen.
Der Handel zerfällt nach dem Gegenstande des Umsatzes, wie
nach der Art der Durchführung in verschiedene Kategorien.
Wir unterscheiden Waren-, Immobilien-, Geld- und Effek-
tenhandel. Bei dem Warenhandel pflegt der Buch-, Kunst- und
Musikalienhandel noch besonders ausgeschieden zu werden.
Nach der Art der Durchführung ist vor allem zu unterscheiden
zwischen Gross- und Kleinhandel, oder, um die französischen Aus-
drücke zu gebrauchen, die vielfach gleichwertig behandelt werden,
obgleich sie etwas Anderes besagen: der Handel en gros und en
detail Wie es der Ausdruck andeutet, hat man ursprünglich die
Grösse des Umsatzes als massgebend für die Unterscheidung ange-
aommen. Doch ist man genötigt gewesen, in der neueren Zeit hiervon
abzusehen, weil in dieser Hinsicht erhebliche Verschiebungen stattge-
{unden haben. Cohn bezeichnet daher den Grosshandel als denjenigen,
der zwischen Fachleuten vollzogen wird, von Fabrikanten an Kaufleute,
von diesen wiederum an Kleinhändler, oder an andere KFabrikanten,
während der Kleinhandel die Deckung des häuslichen Bedarfs zur
Aufgabe hat, also mit Konsumenten geschieht. Es trifft dieses aller-
lings das charakteristische Moment. Auch wenn der Umsatz im
Grossen geschieht, wie in den Grossmagazinen und Bazaren, bleibt er
Klein- oder richtiger Detailhandel, weil er sich unmittelbar an die
konsumierende Bevölkerung wendet. Was dieselben bieten, sind eben
fertige Waren, die entweder zum häuslichen Gebrauche fertig sind,
oder wie Zeuge, Nadel und Zwirn hauptsächlich in dem Hause selbst
zur Verwendung gelangen, oder zu individualisierender Verarbeitung
lurch Handwerker, Schneider, Näherinnen für die kaufende Persönlich-
keit verwendet werden sollen.
Ein-, Ausfuhr- Eine weitere Unterscheidung ist die in Aussen- und Binnen-
ınd Zwischen-handel und der erstere zerfällt wieder in Einfuhr- und Ausfuhr-
handel. handel, dem sich der Zwischenhandel anschliesst, der international
die Vermittlung übernimmt, wobei das eine Land überwiegend Passiv-,
Jas andere Aktivhandel betreibt, d. h. zwischen Ländern, die nicht
in unmittelbarem Tauschverkehre stehen oder doch nicht in ausreichen-
der Weise, so dass ein drittes Tiaand die Waren des einen dem anderen
zuführt.
Passivhandel ist derjenige, der nicht durch eigene einheimische
Kaufleute ausgeführt wird, wie das gegenwärtig zum grossen Teile in
den Vereinigten Staaten von Nordamerika der Fall ist, noch mehr in
China; dann bei allen primitiven Völkerschaften. Der Aktivhandel
wird dagegen nur von Vertretern des eigenen Landes ausgeübt, wie
das vor allem in England und Deutschland der Fall ist.
Nach der Art der Durchführung unterscheiden wir den sesshaften
Handel und den Wanderhandel ohne feste Niederlassung. Der
letztere ist unzweifelhaft der Ausgangspunkt in dem Handelsverkehr
überhaupt, und war in alter Zeit ebenso allgemein gebräuchlich wie
neutigen Tages in dem Verkehr mit primitiven Völkerschaften. Unter
unseren Verhältnissen hat sich die Unterabteilung des Hausier-
nandels daraus entwickelt, welcher den Detailhandel von Haus zu
Haus und von Ort zu Ort repräsentiert.