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Trotz der modernen Erleichterung des Warenbezuges hat diese Hausierhandel,
Form für den Konsumenten auch heutigen Tages noch ihre Berech-
tigung. In sehr zerstreut bewohnten Gegenden, wie im Gebirge, dann
auf dem platten Lande wird der Bevölkerung viel Zeit, Mühe und
Gelegenheit unnützer Ausgaben auf Märkten u. s. w. erspart, wenn ihnen
die laufenden Bedürfnisse und besondere Waren im Hause selbst an-
geboten werden. Das ist nicht nur bei Lebensmitteln der Fall, indem
Fleisch- und Backwaren herumgefahren werden, sondern Nadeln, Zwirn,
Bänder, auch Zeuge etc., dann Geräte mannichfaltiger Art, wie Eisen-
waren u. dergl. Für den Produzenten hat diese Form ihre Bedeutung,
um den Produkten erweiterten Absatz zu schaffen, sowohl neue
Artikel bei dem Publikum bekannt zu machen, wie billigere, veraltete
Modeartikel, schadhafte oder sonst nicht vollkommene Ware bei einem
anspruchsloseren Publikum unterzubringen. Das letztere geschieht in
der besonderen Art der Wanderlager und Wanderauktionen, vorüber-
gehender Ramschbazare ete. Sie haben ihre Berechtigung, indem da-
durch den Fabriken Gelegenheit geboten ist, aufgespeicherten Ausschuss
abzustossen, den sie aus Rücksicht für ihr Renommee dem gewöhn-
lichen Kunden nicht verkaufen können, der aber Brauchbarkeit noch
sehr wohl besitzen kann, wie z. B. etwas verbogene oder bestossene
Schüsseln, Töpfe; Zeuge, die Flecke bekommen haben ete., woran sich die
ländliche Bevölkerung oder städtische Arbeiterbevölkerung nicht stösst,
sondern froh ist, auf diese Weise eine hübsche Ausstattung zu einem
billigen Preise erlangen zu können, während der Fabrikant dadurch
noch einen geringen Erlös erlangt, und die Volkswirtschaft einen Nutzen
davon hat, dass diese Gegenstände noch eine volkswirtschaftliche Ver-
wendung finden.
Von besonderer Bedeutung hat sich in der neueren Zeit der
Hausier- oder Kolportagehandel in dem Buchhandel erwiesen. Es ist
eine Thatsache, dass dadurch viele unserer Klassiker in der neueren
Zeit eine ganz ausserordentliche Verbreitung in der unteren Bevöl-
kerung gewonnen haben, und Fachmänner haben erklärt, dass dies
auf andere Weise unmöglich gewesen wäre. Dass damit auch zu
gleicher Zeit die Möglichkeit vorliegt, Schundlitteratur zu verbreiten und
vergiftend zu wirken, kann nicht geleugnet werden. Solche zwei Seiten
liegen stets bei der Freiheit des Verkehres vor. Aber die Furcht vor
Auswüchsen kann nicht ein Grund sein, die Freiheit zu beschränken,
so lange man die Hoffnung haben kann, dass bei gesunder Entwicklung
der Kultur das Bessere mehr und mehr das Schlechtere verdrängt.
Der Hausierhandel ist ausserdem ein wirksames Mittel zur Unter-
stützung namentlich der Hausindustrie, wie in früheren Zeiten die
Solinger Messerwaren auf solche Weise vertrieben wurden; in der
neueren Zeit Korbwaren, Holzschnitzereien, Spitzen u. dergl. Ist damit
auch mitunter Belästigung des Publikums verbunden, so liegt doch
kein Grund vor, denselben prinzipiell zu bekämpfen und ihm das
Lehen zu erschweren.
Erheblichere Schattenseiten, um derentwillen er in der neueren
Zeit intensiv bekämpft ist, hat der Hausierhandel, indem der Hausierer
nicht auf ein bestimmtes Publikum angewiesen ist, und daher auch
nicht wie der sesshafte Händler durch sein eigenes Interesse eine Ver-
anlassung hat, sich das dauernde Vertrauen seiner Kunden zu ver-
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ınderlager,
Bazare.