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and hat damit ein ungleich grösseres Kapital in dem Geschäfte stecken.
Der englische Fabrikant erhält unmittelbar nach Ablieferung der Ware
auch die Bezahlung in Form von acceptierten Wechseln, die nach
4-6 Wochen fällig sind. Er kann damit unmittelbar die ganze Summe
bar erhalten und darüber geschäftlich disponieren. Der deutsche
Fabrikant, der direkt mit den Detaillisten Geschäfte macht, muss diesen
vierteljährlichen Kredit gewähren, und diesen noch oft genug prolon-
zieren. Treten ungünstige Verhältnisse ein, so machen eine Anzahl
ler Abnehmer Bankrott und ihm geht ein Teil der Summe völlig ver-
oren. Auf diese Weise ist das Risiko des Fabrikanten in Deutschland
ain ungleich grösseres als in England. Die Sicherheit der Industrie
nuss deshalb eine weit geringere sein, was sicherlich nur als schädlich
ıngesehen werden kann. Die Ausbildung der Arbeitsteilung wird auch
ıer ihre grossen Vorzüge haben. Natürlich ist der Unterschied zwischen
»eiden Ländern nicht in allen Branchen der gleiche, er tritt vielfach
vesentlich abgeschwächt auf. Die charakteristische Verschiedenheit
jegt eben in der erweiterten Heranziehung des Zwischenhandels in
Ingland und damit in der Verminderung des Geschäftsrisikos für die
[ndustrie.
Werfen wir hiernach noch kurz einen Blick auf die historische
Entwicklung des Handels in den hauptsächlich in Betracht kommenden
Ländern.
Handel in Als erstes bedeutsames Beispiel ausgedehnten Handelsverkehrs
ilterer Zeit. jest bekanntlich der der Phönizier zu erwähnen, der einen ausser-
ordentlich ausgedehnten Küstenhandel in sich schloss und sich jeden-
lalls bis nach England, wo nicht bis in die Ostsee hinein erstreckte,
Der erhebliche Handel Griechenlands mit seinen mannichfaltigen
Kolonien und durch dieselben wurde bereits erwähnt. Schon in der
iltesten Zeit pflog Rom einen regen Verkehr mit Karthago, der
später sich zu einer scharfen Konkurrenz ausbildete, die zu extremster
Feindschaft führte. Zur Zeit der Blüte Roms und der Ausdehnung
seiner Herrschaft war der Handel nach allen Richtungen hin ein
iusserst lebhafter und durchgreifender, dessen hohe Bedeutung heutigen
Tages nur schwer vollständig zu würdigen ist. Er dehnte sich bis
jef nach Aegypten, Persien, Indien hin, auf der anderen Seite nach
Spanien, Gallien und Germanien und umfasste die verschiedensten
Artikel, wie namentlich Metalle und Metallwaren, Gewürze und
Spezereien, Farbstoffe, aber auch Zeuge, dann Sklaven. Der Verfall
les römischen Reiches und die Völkerwanderung brachten eine voll-
ständige Stockung in diesen Verkehr, und in Mitteleuropa musste er
aus den primitivsten Anfängen auf völlig neuer Grundlage sich von
Neuem entwickeln. Hier waren es vor allem die italienischen Städte,
in erster Linie Venedig, Genua, Livorno, die zunächst einen regen
Seeverkehr pflegten und die Verbindung des Orients mit dem Oceident
vermittelten, wobei Konstantinopel den Zentralpunkt bildete. An diesen
Seehandel schloss sich ein immer weiter um sich greifender Landtrans-
port, der über die Alpen nach Deutschland hineindrang, besonders seit
durch die Kreuzzüge sich Heerstrassen durch Deutschland nach dem
Orient gebildet hatten. Sie gingen von den italienischen Städten nach
Augsburg, Nürnberg, Strassburg, am Rhein entlang nach Frank-
reich und Flandern, dann über Halberstadt, Merseburg, Magde-