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Die Ricardo’sche Lehre von der Abnahme der Produktivität
des Mehraufwandes,
Durch Uebergang zu einer intensiveren Kultur wird unter den
entsprechenden natürlichen Bedingungen bis zu einer gewissen Grenze
hin eine Erhöhung des Rohertrages erzielt. Wenn man z. B. stärker
düngt, eventuell mit Guano, so wird der Ertrag des Weizens wohl von
30 auf 40 Zentner pro Hektar gesteigert werden können, wie ähnlich
der der Kartoffeln, der Rüben ete., und der Gesamtertrag vieler Güter
ist in den letzten 50 Jahren gerade dadurch, wie uns Beispiele vor-
liegen, mehr als verdreifacht. Dieser Erfolg ist aber, wie ausgeführt,
nur erreicht durch einen grösseren Aufwand von Arbeit und Kapital,
Wirkung höhe-also durch höhere Produktionskosten. Aber es ist nicht nur ein
‚ren Produk- höherer absoluter Aufwand notwendig, um einen grösseren Rohertrag
lonsaufwandes„ erzielen, sondern es wird, wie schon Turgot, dann vor allem David
Ricardo nachgewiesen haben, auch ein wachsender Prozentsatz des
Rohertrages durch die Produktionskosten absorbiert. Das ist allerdings
nicht naturgesetzlich aufzufassen, sondern nur als eine Regel, die na-
mentlich in der ersten Entwicklung nicht immer eintritt, wohl aber bei
einem gewissen Grade der Intensivität des Betriebes. Es kann, um
bei unserem Beispiel zu bleiben, der erste Aufwand von Guano sehr
wohl die Weizenernte derartig steigern, dass dadurch der Reinertrag
nicht nur absolut, sondern auch relativ steigt, wenn der Boden nach
seiner ganzen Beschaffenheit eine höhere Ernte liefern konnte, und es
ihm nur an Phosphorsäure und Stickstoff fehlte. Wenn man nun
aber fortfährt und noch einen weiteren Zentner Guano pro Morgen
aufwendet, so wird dadurch der Rohertrag vielleicht noch weiter um
einen Zentner gehoben, der schon den Ueberschuss erheblich ver-
minderte; der dritte Zentner liefert vielleicht nur noch einen halben
oder einen viertel Zentner mehr, wodurch nicht einmal die Kosten ge-
deckt werden, und ein weiterer Zentner würde sicher Lagergetreide
herbeiführen und sogar den Rohertrag vermindern. Es liegt also eine
Grenze vor, über welche hinaus der Aufwand sich nicht mehr bezahlt
macht. Dasselbe ist von der Bearbeitung des Bodens zu sagen. Ein
Umpflügen des Bodens vor der Saat zum dritten Male kann sich
überaus vorteilhaft erweisen; doch ein viertes Mal kann leicht nach-
teilig wirken. Man weiss, dass man den Ertrag der Kartoffeln steigern
kann, wenn man die Pflanzen weiter auseinandersetzt, sie mit reich-
lichem Dünger versieht und jede Pflanze sorgsam behäufelt und von
allem Unkraut befreit. Aber auch hier wird bald die Grenze erreicht,
wo die grössere Sorgfalt in der Behandlung durch den Mehrertrag
nicht mehr bezahlt wird. Jeder Zentner Getreide oder sonstiger
Früchte, der über den bisherigen Durchschnittsertrag erzielt werden
soll, erfordert also bei sonst gleich gebliebenen Verhältnissen höhere
Produktionskosten, und es fragt sich in jedem Falle, ob jener Mehr-
aufwand durch den Erlös des Mehrertrages gedeckt wird. Unter sonst
gleich gebliebenen Verhältnissen kann daher zu einem intensiveren
Betriebe nur bei Erhöhung der Fruchtpreise, Ermässigung der Arbeits-
löhne oder Herabsetzung des Kapitalzinses übergegangen werden, wo-
durch die Produktionskosten ermässigt, oder der Geldertrag erhöht