Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Die Wasserstrassen. 
Arten. 
Hermann Schuhmacher, Zur Frage der Binnenschiffahrtsabgaben. Berlin 1901. 
Sympher, Die wirtschaftliche Bedeutung der Kanalfrage. Berlin 1900. 
Ders., Die wasserwirtschaftliche Vorlage. Berlin 1901. 
Ders., Die Zunahme der Binnenschiffahrt in Deutschland von 1875—1895, 
Berlin 1899. 
Kurs, Schiffahrtsstrassen im deutschen Reich. Jahrb. f. Nat.-Oek. 1895, 
IL F., Bd. X. ; 
Eger, Die Binnenschiffahrt in Europa und Nordamerika. Berlin 1899. 
Die Wasserstrassen zerfallen in See- oder Meeresstrassen und 
Binnenwasserstrassen. Die ersteren bilden die ausserordentlichste Be- 
zünstigung für ein Land, des Handels und dadurch der gesamten Pro- 
duktion wegen, wofür England den besten Beleg bietet. Je grösser 
die internationale Arbeitsteilung wird, um so bedeutsamer werden die- 
selben für die Volks- und Weltwirtschaft. Ein jedes Land muss des- 
halb nach Seeküsten streben und für gute Hafenanlagen Sorge tragen. 
Hier haben uns aber vor allem die Binnenwasserstrassen zu be- 
schäftigen. Dieselben zerfallen in natürliche und künstliche; die 
ersteren wiederum in Seen und Flüsse. Nur in einzelnen Ländern 
spielt die Binnenseeschiffahrt eine hervorragende Rolle, wie vor allem 
in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Kanada und der 
Schweiz, während dieselbe in Deutschland durchaus in den Hinter- 
zrund tritt. Um so bedeutsamer sind gerade für Deutschland die 
Ströme, die das Land durchziehen und schon im Mittelalter als haumpt- 
zächliche Verkehrsstrassen dienten. 
Aber nur wenige Ströme eignen sich in ihrer natürlichen Form 
für einen grösseren Schiffsverkehr, wie ihn die moderne Zeit verlangt. 
Ausserdem zeigen sie sich in der Regel zu gewissen Jahreszeiten 
30 ungebärdig, dass sie ohnehin eine künstliche Eindämmung und Re- 
gulierung notwendig machen. Es sind deshalb schon seit Jahrhunderten 
die Ströme Gegenstand besonderer menschlicher Fürsorge geworden, 
ınd der Schutz gegen Ueberschwemmungen wurde zugleich eine För- 
derung der Schiffahrt. In der neueren Zeit wurde die letztere Auf- 
zabe dabei die wichtigere, und ein immer grösserer Teil der Ströme 
blieb nicht mehr natürliche oder freie Wasserstrassen, sondern wurde 
zu Kunststrassen, die sehr bedeutende Kapitalien in Anspruch ge- 
nommen haben. Dadurch ist aber die Leistungsfähigkeit der Fluss- 
schiffahrt in der ausserordentlichsten Weise gestiegen. So ist erst in 
diesem Jahrhundert durch grosse Bauten die Oder regelmässig be- 
nutzbar für grössere Schiffe geworden, und die Elbe, vor allem der 
Rhein zu der ausserordentlichsten Leistungsfähigkeit gebracht. Auf 
ler Hauptstrecke des letzteren wurden jetzt im Jahre 12 Mill. t pro 
Kilometer befördert, während die frequentierteste Bahn Deutschlands 
im westfälischen Ruhrgebiet nur 4 Mill®. t pro Kilometer zu be- 
wältigen vermochte. 
Diesen kanalisierten Strömen schliessen sich dann die Kanäle 
selbst an, das sind gegrabene und mit Zuflusswasser versorgte Wasser- 
strassen. Die Kanäle zerfallen in Seekanäle und Binnenkanäle. 
Die ersteren sind bestimmt. Meere zu verbinden oder Binnenstädten
	        
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