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durch einen Kanal zum Meere den Charakter einer Seehafenstadt. zu
geben. Das bedeutsamste Beispiel hierfür ist der Suezkanal (161 km),
welcher die ausserordentlichste Bedeutung gewonnen hat. Es gehört
dazu der Kaiser-Wilhelmkanal (98,7 km). Es würde dazu der
projektierte Panama- resp. Nicaraguakanal zu rechnen sein. Es gehört
ferner hierzu der Manchestershipkanal mit 57 km, welcher Man-
chester mit dem Meere zu verbinden bestimmt ist und die Stadt von
Liverpool emancipieren soll. Hauptsächlich kommen aber für uns die
Binnenkanäle in Betracht, welche Ströme verbinden und dadurch den
Wasserverkehr im Lande in erweitertem Masse ermöglichen sollen.
Die folgende kleine Tabelle giebt nach Kurs (Handw. der St.) eine
Uebersicht der gegenwärtig in den hauptsächlichsten Ländern vor-
handenen Binnenwasserstrassen:
Statistik.
Schiffahrtsstre-sen
Land
künstlichen | natürlichen
Charakters | Charakters
| zusammen
Kilometer
Deutsches Reich. .
Schweden . .
Norwegen . 2.0. +04 + 0
Europ. Russland ohne Finland
Cisleithanien . . 0.0.0404
Transleithanien . . . +
Italien . 0.0.0.0.
Frankreich. . . . Ve
Spanien . . 0.0000 44
Grossbritannien und Irland .
Niederlande . . - =
Belgien . 0. 0.000000 A HH
Vereinigte Staaten von Nordamerika .
BPritisch Nordamerika .
6271 8928
471 6269
713 6243
1 848 47 044
72 2 749
353 2.726
475 1.000
3120 7 884
321 179
1882 1358
3351 1.385
1519 487
5413 | 24587
400 4 800
15 199
6 740
6 956
18 892
2821
3.079
2475
4.004
500
3 240
4.736
2.006
| 30.000
5.200
Das Land, in welchem der Kanalbau zuerst, abgesehen von China
und Aegypten in alter Zeit, grössere Dimensionen angenommen hat, ist
Frankreich, wo nach dem Plane Sullys unter Heinrich IV. der.Kanal
von Briar gebaut und 1604 vollendet wurde. Noch in demselben Jahr-
hundert entstand unter dem Einfluss Colberts der Kanal von Languedoc,
und während des 18. Jahrhunderts erfolgte der Ausbau eines erheb-
lichen Kanalnetzes, welches wesentlich zur Unterstützung der Industrie
beitrug. Auch Napoleon I. legte dem Kanalbau grosse Bedeutung bei
und projektierte die Verbindung der Rhone mit dem Rhein durch eine
Wasserstrasse, konnte aber selbst in dieser Hinsicht infolge der vielen
Kriege nichts wesentliches erreichen. Von 1820—47 sind gegen 390
Millionen Franes auf die Ausdehnung der Wasserstrassen verwendet.
Durch den KEisenbahnbau, welcher in kurzer Zeit über 8 Milliarden
Franes in Anspruch nahm, wurde es in den folgenden Dezennien
unmöglich, viel für Kanäle auszugeben. Das Interesse wurde völlig
von ihnen abgelenkt, ja man betrachtete sie mit Missachtung, weil ihre
Unterhaltung mehr kostete, als sie einzubringen vermochten. Nach
dem unglücklichen Kriege mit Deutschland fand aber ein Umschwung
in den Anschauungen statt, Eine Enquete,. die Ende der siebziger
Jahre über die Lage der Wasserstrassen veranstaltet wurde, kam zu
Frankreich.