Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Jass für die Zukunft gerade auf den Kanälen durch die Anwendung 
der Elektrizität nach Art der Strassenbahnen eine wesentliche Erhöhung 
der Schnelligkeit ohne Schädigung der Seitenwände und ohne Ver- 
teuerung erzielt werden kann: ein System, welches bei einzelnen Strecken 
schon in der nächsten Zeit zur Anwendung kommen wird. Hierdurch 
wird die Beförderung auf den Wasserstrassen an Regelmässigkeit wie an 
Geschwindigkeit einen sehr bedeutenden Fortschritt erfahren, welcher 
lie Konkurrenz mit den Eisenbahnen in hohem Masse erleichtern wird. 
Aber im Momente haben wir damit noch nicht zu rechnen. 
Kurs hat nun eine vergleichende Aufstellung gemacht, um nach- 
zuweisen, dass erst auf grössere Entfernung der Vorteil der Ge- 
schwindigkeit den Kisenbahnen eine Ueberlegenheit gewährt, was 
unzweifelhaft richtig ist. Auch Cohn bemerkt, dass gerade für kürzere 
Strecken die Chancen des Wassertransportes grösser sind gegenüber 
den Bahnen, als auf grössere Entfernung. Wir vermögen dieses weder 
in der Stärke, noch in der Allgemeinheit, wie es hingestellt ist, zu 
acceptieren. Der erstere Autor stellt das folgende Schema?) auf: 
Die Beförderung beansprucht folgende Zeit: 
. Dampfschiffs- Schiff, durch Treidel, 
Entfernung Eisenbahn Schleppzug Staken, a 
Tage 
10 
100 
400 
LO000 
5 
4 
ö 
20 
50 
Nun ist es klar, dass die Bahn zur Beförderung selbst für 10 
und 100 km nicht zwei oder gar drei Tage gebraucht, sondern diese 
nur in Rechnung kommen, weil die Waggons so lange zur Ein- und 
Ausladung zur Verfügung der Beteiligten dastehen müssen; während 
offenbar bei dem Wassertransport nur die Bewegungszeit der Schiffe 
in Rechnung gezogen ist. Man wird aber kaum annehmen können, 
dass die Ladung und Löschung bei den Schiffen durchschnittlich viel 
weniger Zeit in Anspruch nimmt, Auch das Schiff muss häufig mit 
einer teilweisen Ladung liegen bleiben und verliert Zeit, bis die Weiter- 
beförderung möglich ist, man wird deshalb die Beförderungszeit zu 
Wasser gleichfalls durch die Lager- und Ladezeit ergänzen und erweitern 
müssen, um die Vergleichung richtig durchzuführen. Gleichwohl bleibt 
bestehen, dass die Geschwindigkeit der Bahnen ganz besonders bei 
Zurücklegung grosser Strecken zur Geltung kommt. Es wird bei den 
zinzelnen Gegenständen sehr verschieden sein, je nachdem sich das 
Verladen einfacher oder kostspieliger gestaltet, es sich um Massen- 
oder Einzelgüter handelt, für die ersteren mechanische Ladevorrichtungen 
da sind ete, Die volkswirtschaftliche Wirkung der Schnelligkeit wird 
aber für viele Fälle dadurch erheblich abgeschwächt, wo nicht ausge- 
glichen, dass für eine Anzahl Gegenstände, namentlich Massengüter 
zeitweise eine schnelle Beförderung gar nicht erforderlich ist. Haben 
sich im Sommer Kohlenvorräte bei den Bergwerken aufgehäuft, die 
nun zum Wintervorrat in die Städte befördert werden müssen, so ist 
es ziemlich gleichgültig, wo die Massen lagern, ob an dem Förde- 
1) Jahrb. f. Nat.-Oek., X. Bd... 3. F., 1895. S. 666.
	        
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