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Jass für die Zukunft gerade auf den Kanälen durch die Anwendung
der Elektrizität nach Art der Strassenbahnen eine wesentliche Erhöhung
der Schnelligkeit ohne Schädigung der Seitenwände und ohne Ver-
teuerung erzielt werden kann: ein System, welches bei einzelnen Strecken
schon in der nächsten Zeit zur Anwendung kommen wird. Hierdurch
wird die Beförderung auf den Wasserstrassen an Regelmässigkeit wie an
Geschwindigkeit einen sehr bedeutenden Fortschritt erfahren, welcher
lie Konkurrenz mit den Eisenbahnen in hohem Masse erleichtern wird.
Aber im Momente haben wir damit noch nicht zu rechnen.
Kurs hat nun eine vergleichende Aufstellung gemacht, um nach-
zuweisen, dass erst auf grössere Entfernung der Vorteil der Ge-
schwindigkeit den Kisenbahnen eine Ueberlegenheit gewährt, was
unzweifelhaft richtig ist. Auch Cohn bemerkt, dass gerade für kürzere
Strecken die Chancen des Wassertransportes grösser sind gegenüber
den Bahnen, als auf grössere Entfernung. Wir vermögen dieses weder
in der Stärke, noch in der Allgemeinheit, wie es hingestellt ist, zu
acceptieren. Der erstere Autor stellt das folgende Schema?) auf:
Die Beförderung beansprucht folgende Zeit:
. Dampfschiffs- Schiff, durch Treidel,
Entfernung Eisenbahn Schleppzug Staken, a
Tage
10
100
400
LO000
5
4
ö
20
50
Nun ist es klar, dass die Bahn zur Beförderung selbst für 10
und 100 km nicht zwei oder gar drei Tage gebraucht, sondern diese
nur in Rechnung kommen, weil die Waggons so lange zur Ein- und
Ausladung zur Verfügung der Beteiligten dastehen müssen; während
offenbar bei dem Wassertransport nur die Bewegungszeit der Schiffe
in Rechnung gezogen ist. Man wird aber kaum annehmen können,
dass die Ladung und Löschung bei den Schiffen durchschnittlich viel
weniger Zeit in Anspruch nimmt, Auch das Schiff muss häufig mit
einer teilweisen Ladung liegen bleiben und verliert Zeit, bis die Weiter-
beförderung möglich ist, man wird deshalb die Beförderungszeit zu
Wasser gleichfalls durch die Lager- und Ladezeit ergänzen und erweitern
müssen, um die Vergleichung richtig durchzuführen. Gleichwohl bleibt
bestehen, dass die Geschwindigkeit der Bahnen ganz besonders bei
Zurücklegung grosser Strecken zur Geltung kommt. Es wird bei den
zinzelnen Gegenständen sehr verschieden sein, je nachdem sich das
Verladen einfacher oder kostspieliger gestaltet, es sich um Massen-
oder Einzelgüter handelt, für die ersteren mechanische Ladevorrichtungen
da sind ete, Die volkswirtschaftliche Wirkung der Schnelligkeit wird
aber für viele Fälle dadurch erheblich abgeschwächt, wo nicht ausge-
glichen, dass für eine Anzahl Gegenstände, namentlich Massengüter
zeitweise eine schnelle Beförderung gar nicht erforderlich ist. Haben
sich im Sommer Kohlenvorräte bei den Bergwerken aufgehäuft, die
nun zum Wintervorrat in die Städte befördert werden müssen, so ist
es ziemlich gleichgültig, wo die Massen lagern, ob an dem Förde-
1) Jahrb. f. Nat.-Oek., X. Bd... 3. F., 1895. S. 666.