Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Als Gegengewicht gegen diese Erleichterung des Fernverkehrs sind 
dann sehr niedrige einheitliche Sätze für den Nahverkehr eingeführt, 
um namentlich das Wohnen ausserhalb der Stadt zu erleichtern, wo- 
durch bereits eine wesentliche Entlastung der grossen Städte erzielt 
ist. Eine Verbindung beider Einrichtungen zeigt der Zonentarif, der 
zuerst in Ungarn 1889 eingeführt wurde. Der Tarif ist ein beson- 
Jlerer für den Nachbarverkehr (zwei Stationen von jeder Haltestelle) 
und für den Fernverkehr, für welchen 14 Zonen mit bestimmten Fahr- 
preisen für die ganze Zone (die über Pest gehenden Bahnen nehmen 
dort ihren Anfangs- resp. Endpunkt) angesetzt sind. Je entfernter 
die Zone, um so niedriger ist die Gebühr pro Kilometer; über 225 km 
hinaus, d.h. für die letztere Zone ist der Fahrpreis derselbe. In ähn- 
licher Weise sind neuerdings Oesterreich und Russland vorge- 
yangen, um die Reisen in grössere Entfernungen zu verbilligen. Die 
wichtigeren bestehenden normalen Personentarife: 
Land 
Preussen 
Bayern . . 
Schweiz . 
Frankreich . 
[talien . . 
Belgien - | 
‚ Gewöhnliche . ie 
Schnellzüge |} . Personenzüge | Hin und zurück 
Wagenklasse 
Währung 
ll 
LI 
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IV 
I 
1 
IT 
9 |667 [4,67 [3 6 123 49 M 
9.1164 141 8 53 3, 13,3 | 8 15,38 
10,751 7,5 .15,37 ‚107F 7,5 [5,27 Ermäss. One 
11,2 | 7,56 4028|. 1,6 5 4 2E 16,8 |12,09|7,886 
;2,43| 8,71 |5,65 111,3 .,71 15,09 Ormäss. 26-80 Yo, _—_ 
ı ; entimes 
Internat. Züge Tnlandzüge CH Zeitkart. 
9.45| 7.1 | 4.75| 9.45| 6.4 13,8 | 
N Pfennige 
Seit ‚längerer Zeit sind Vorschläge gemacht, das sogenannte Per- 
sonenporto einzuführen d. h. auch den Personentarif auf einen Einheits- 
satz zu reduzieren, ohne Unterscheidung nach der Entfernung, wie dieses 
von Engel, Perrot, Hertzka u. a. verlangt ist. Die Grundauf- 
fassung dabei ist, dass auch hier die Frachtkosten nicht erheblich ins 
Gewicht fallen, was entschieden unrichtig ist; dann dass bei sehr 
niedriger Normierung des KEinheitssatzes der Verkehr sich in einer 
solchen Weise heben würde, dass eine vollkommene Ausnutzung des 
Platzes dabei zu erreichen wäre, und damit eine verhältnismässige 
Herabsetzung der Unkosten. 
Unzweifelhaft ist eine Ermässigung des Personentarifs als Er- 
leichterung für den gesamten Verkehr in hohem Masse wünschenswert, 
schon um die Freizügigkeit immer mehr zur Wahrheit zu machen. 
Auf der anderen Seite ist eine angemessene Verzinsung des Anlage- 
kapitales der Bahnen zu erstreben, also keineswegs der Gesichtspunkt 
der Rentabilität gegenüber den Verkehrsinteressen zurücktreten zu 
lassen. Namentlich für die unteren Klassen ist in Preussen die Billig- 
keit bereits eine sehr grosse. Das Grundprinzip des Personenportos 
ist, wie oben erwähnt, nicht anzuerkennen; aber auch eine extreme Ver- 
billigung des Personentarifs ist volkswirtschaftlich nicht ohne Bedenken, 
besonders, wenn sie plötzlich eingeführt würde, da sie zu extremer Be- 
wegung der Bevölkerung Anlass geben könnte, und namentlich zu einer
	        
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