Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Thünenschen Staates, durch den man die modernen Verkehrsstrassen 
sich hindurchziehen lässt. 
| So lässt sich auch die gegenwärtige landwirtschaftliche Depression 
in dem kultiviertesten Teil Europas leicht erklären. Durch die Eisen- 
bahnen und den verbesserten Seetransport sind überseeische Länder 
Amerika, Indien, Australien, die bis dahin in dem äussersten Thünen- 
schen Kreise lagen, für den Weltmarkt erschlossen und sind zu den 
Hauptgetreidelieferanten, also in den nächstnäheren Kreis hineingerückt. 
Damit ist das bisherige Monopol der Inhaber nordwesteuropäischer 
Getreidebaudistrikte gebrochen und sie sind gezwungen entweder zu 
“ner grösseren Intensität überzugehen, sich dem Zentrum zu nähern, 
Oder eine ganz extensive Wirtschaft zu acceptieren. Wir standen eine 
Zeit lang in dieser letzteren Gefahr, sie scheint uns aber überwunden 
zu sein. 
Ganz ähnlich wie die Entfernung vom Marktorte wirkt nun die 
Entfernung der Aecker vom Hofe, denn das Hin- und Herziehen von 
Menschen und Tieren zur Bestellung, Saat und Ernte schliesst grosse 
Zeit- und Kraftverschwendung in sich, so dass unter unseren Verhält- 
Mıssen schon bei anderthalb Kilometer Entfernung, bei sehr gutem 
Boden bei drei Kilometer, der Reinertrag durch die erhöhten Betriebs- 
kosten absorbiert wird. Je höher die Löhne, je niedriger die Pro- 
duktenpreise, um so empfindlicher wird die Entfernung wirken, und 
um so früher werden jene entlegenen Felder rationeller Weise nicht 
Mehr bewirtschaftet werden können. Hierin liegt es, dass in der 
neueren Zeit die sehr umfangreichen Güter keine angemessenen Erträge 
mehr abzuwerfen vermögen. Namentlich stellt es sich heraus, dass 
die Umwandlung von Forstflächen in Acker, die in den Zeiten hoher 
Preise in den sechziger und Anfang der siebziger Jahre durchgeführt 
wär, sich in der neueren Zeit nicht mehr bezahlt macht und die Äecker 
der Aufforstung wieder anheimfallen müssen. Darauf ist auch zurückzu- 
führen, dass in der neueren Zeit so viele grosse Güter im nordöstlichen 
Preussen zerschlagen werden. Die grossen Betriebe mit entfernt ge- 
legenen F eldern vermögen mit den kleinen, wohlarrondierten Bauern- 
gütern in der Regel nicht mehr zu konkurrieren. Auf der anderen 
Seite müssen die entlegenen Felder extensiver bewirtschaftet werden, 
als die nahe gelegenen, um vor allem Arbeitskosten zu ersparen. 
Eine Grundsteuer und eine Erhöhung des Arbeitslohnes, über- 
haupt alles, was die Produktionskosten erhöht und nur einen Kreis 
des in Betracht kommenden Staates trifft, wirkt wie eine Entfernung 
vom Markte. Wenn also in dem Kreise der Wechselwirtschaft die 
Arbeiter knapp und teuer werden, so können sich trotz der Gunst der 
Lage die betreffenden Landwirte genötigt sehen, die Dreifelderwirt- 
Schaft einzuführen, um Arbeitskräfte zu sparen. Thatsächlich ist 
dieses in der Umgegend einzelner Fabrikstädte, wenigstens vorüber- 
xehend, geschehen, und man befürchtete es allgemeiner in der neueren 
Zeit bei uns infolge des Arbeitermangels und der Lohnsteigerung. 
Indessen haben sonstige Fortschritte in der Landwirtschaft diese Ge- 
fahr abzuwenden vermocht. 
.. Diesen Momenten, welche einer Entfernung vom Markte gleich 
Wirkend sind, stehen nun eine Menge anderer gegenüber, welche im 
Gegenteile einer Annäherung an den Marktort gleichkoummen. Es liegt 
Antfernung 
om Hofe. 
Wirkung von 
Steuer und 
Lohnhöhe.
	        
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