Full text : Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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In Oesterreich sind die Postsparkassen 1882 eingeführt, Beträge
von 50 Kreutzer an können eingezahlt werden. 1899 gab es 1,4 Mill.
Einleger mit 66,2 Mill. Gulden. Eine wesentliche Ergänzung hat die
Einrichtung durch den 1883 eingeführten Checkverkehr erhalten, indem
 jeder Kontoinhaber ein Checkbuch erhält, in das auf allen Postimtern
 Eintragungen gemacht werden können und auf welches die Postänıter
 überall die Auszahlung bewirken. Im Jahre 1899 existierten
10271 Kontoinhaber mit einem Giroguthaben von 1121/, Mill. Gulden.
Der Jahresumsatz aber durch Checks erreichte die Höhe von 4,7
Milliarden Gulden. In Ungarn wurden die Postsparkassen 1885 eingerichtet,
 in Belgien bereits 1870, sie bestehen ausserdem in Rumänien,
 Schweden, Russland, in den Ver. Staaten und Japan,
wo sie bereits 1876 Eingang fanden. Nur Deutschland hat sich bisher
 trotz der energischen Bemühungen des Staatssekretärs von Stephan
zu dieser Einrichtung nicht aufschwingen können. Bis zum heutigen
Tage hat sie viele Gegner, unter ihnen war bis zu seinem Tode der
zedeutsamste der Finanzminister von Miquel.
Schon aus dem früher Gesagten geht hervor, dass durch keine
Einrichtung das Sparen so gefördert werden kann, als durch die Post;
dass namentlich in unserer wanderlustigen Zeit kein Institut sich den
Ansprüchen der umherziehenden Einleger so anzupassen und den Verkehr
 so zu erleichtern vermag, als gerade die Post. Es müssen deshalb
 sehr bedeutsame Gründe sein, welche gegen dieselbe anzuführen
sind, wenn sie für die leitenden Kreise Deutschlands massgebend waren.
Dieselben liegen vor allem in der Furcht vor einer Ueberlastung des
Staatskredits und der Entziehung der Spargelder aus dem Verkehre
der beteiligten Kreise. Was den ersten Punkt betrifft, so wird Deutschland
 wohl so gut wie irgend ein anderes Land die Belastung des Staatskredites
 zu tragen vermögen, welche darin liegt, dass in Zeiten der
Krisis die Spareinlagen in Massen zurückgefordert werden. Frankreich
hat selbst zur Zeit des unglücklichen Krieges eine erhebliche Schädigung
 dadurch nicht erfahren. Weit mehr ist daher auch der zweite
Punkt in der Diskussion ins Gewicht gefallen. Richtig ist es, dass in
Deutschland die Organisation städtischer und Kreis-Sparkassen eine allgemein
 verbreitete und vortreffliche schon seit längerer Zeit gewesen ist,
und daher schon früher dem Sparbedürfnis der Bevölkerung vollständiger
 genügt wurde als in anderen Ländern, für welche daher die Einrichtung.
 der Postsparkassen viel mehr ein Bedürfnis war. Wir haben
aber oben bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Sparkassen keineswegs
 allen Anforderungen genügen, vielmehr eine viel zu geringe Verbreitung
 im Lande haben und viel zu selten zur Einlage und Zurückziehung
 Gelegenheit geben, so dass darin das deutsche Sparkassenwesen
sehr bedeutend hinter dem aller anderen in Betracht kommenden Länder
 zurücksteht. Es bleibt also nur der eine Punkt übrig, der zu Unzunsten
 der Postsparkassen anzuführen ist, dass die der Post anverirauten
 Gelder eben dem allgemeinen Staatssäckel zu gute kommen
und dem engeren Kreise der Kinleger entzogen werden. Es sind deshalb
 hauptsächlich die Väter der Stadt, wie die Kreisstände, welche
fürchten, dass ihnen die Gelder entgehen, die sie innerhalb ihres Be-:eiches
 zu Darlehen verwenden, und aus deren Ueberschüssen mitunter,
wie wir sahen, die Gemeinde speziell Nutzen zieht. Hiergegen ist vor
Ffanrad. Grundrisse ad. anlt. ORkmamin: 14. Pl. 2 ADF 3

regengründe
gegen Postsparkassen,

            
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