Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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VMortalitäts- 
‘afeln. 
Dazu kommt 4., dass die Kontrolle des Geschäftsverfahrens- und 
ler Lage des Unternehmens ausserordentlich schwierig und für’ das 
7ublikum absolut unmöglich ist. Dies wird eine nähere Untersuchung 
larüber ergeben, worauf die Sicherheit der Lebensversicherung beruht. 
Tier kommt vor allem in betracht: 
1. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Grund der Mor- 
aalitätstafeln. Dieselben sind Zusammenstellungen der mittleren Lebens- 
lauer der einzelnen Altersklassen, wie sie sich auf Grund eines reichen 
Materiales über das Alter der Gestorbenen ergiebt, d.h. eine Zu- 
sammenstellung der Jahre, welche die in dem verschiedenen Lebens- 
alter der Versicherung Beitretenden im Durchschnitt noch Aussicht 
haben zu leben, woraus sich ergiebt, wie lange sie noch Prämien durch- 
schnittlich zahlen können, nach Ablauf von wie viel Jahren die Aus- 
zahlung des Kapitals vorausgesetzt werden muss. Die folgenden Mor- 
talitätstabellen sind jetzt im Gebrauche: 1. die von Babbage auf 
Grund des Materials der englischen Equitablegesellschaft berechnete, 
2, diejenige der siebzehn englischen GesellseHaften, die sich zusammen 
gethan haben. 3. die deutschen Sterbetafeln, welche aus den haupt- 
sächlichsten deutschen Gesellschaften mit Ausnahme der Gothaer ge- 
bildet sind. 4. die Gothaer verwertet eine solche, die aus ihrem eigenen 
Material hergestellt ist. Die Absterbeordnungen, wie sie von Heym 
für die sächsiche Bevölkerung, von Becker für die preussische, von 
Boeckh für die Berliner berechnet sind, gelangen jetzt kaum noch 
zur Anwendung. Für Gesellschaften können sie keine genaue Unter- 
lage bieten, da diese eine Auswahl von Personen machen, die einmal 
der besser situierten Klasse angehören und auf Grund ärztlicher Unter- 
suchung keinen bedeutsamen Gesundheitsfehler haben dürfen. Nach 
den Ergebnissen der Gothaer Bank über 10502 Personen stellte sich 
die mittlere Lebensdauer, wie folet: 
es lebten noch 
m 15. Jahre auf 46,58 Jahre, 
20. 49? 54 
30. a 
40. 
50. 
60. 
70. 
; 50. 
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1256 
3725 
} 962 
7986 
6479 
3 969 
1.246 
74 
Da in einem jeden Lande je nach Rasse und Lebenshaltung die 
Sterblichkeitsverhältnisse sich verschieden gestalten, so ist es unthunlich, 
Jlie Mortalitätstafeln eines anderen Landes zu benutzen, und da auch diese 
Verhältnisse sich ändern, so ist es wichtig, das benutzte Material mög- 
lichst bis zur Gegenwart auszudehnen und die V eränderungen zu ver- 
folgen. Eine unrichtige Mortalitätstafel führt entweder zum Ruin der 
Gesellschaft, wenn die Sterblichkeit thatsächlich eine grössere bei den 
Versicherten ist als vorausgesetzt, oder in dem entgegengesetzten Falle 
zu einer Ausbeutung der Versicherten. 
Aerztliche Da die Gesellschaften prinzipiell Personen nicht aufnehmen, die 
Jntersuchung, durch eine besondere Krankheitsanlage nur auf abgekürztes Leben 
rechnen können, und darauf die ganze Einrichtung basiert ist, hängt 
von der Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit des untersuchenden Arztes
	        
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