Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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sich Schon entnehmen, was auch sonst durch die landwirtschaftliche 
Praxis genugsam erwiesen ist, dass der Vorrat an mineralischen 
Pflanzennährstoffen im Boden ein ausserordentlich grosser ist, der 
ganz allmählich durch Verwitterung in löslichen, durch die Pflanze 
Assimilierbaren Zustand übergeführt wird. 
Liebig verlangt nun vom Landwirte, dass er diesen Vorrat über- Permanente 
haupt nicht antasten ‚sondern durch die Wahrung der Statik ihn fortdauerndStatik unnötig 
vermehren, also auch in jenen Fällen durch reichliche Düngung Ersatz vicliach " 
schaffen soll, wo ein Effekt auf die Ernte garnicht zu erwarten ist. Denn Paunfich, 
° giebt eine Menge Bodenarten, die namentlich an einzelnen Stoffen 
grossen Reichtum haben, die einen an Kali, die anderen an Phosphorsäure 
der Kalk, während je nach der Wirtschaftsmethode, wie ausgeführt, bald 
nur der eine, bald der andere Stoff unersetzt bleibt, also nur teilweise 
Raubbau getrieben wird und eventuell nur an dem, der in grosser Fülle 
disponibel ist. Hier gleichwohl die Statik zu wahren ist aber volks- 
Wirtschaftlich unzulässig. Sie ist zwecklos, weil dadurch die Erträge 
aicht erhöht werden; denn nur die Düngung steigert die Ernte, welche 
das gewährt, woran die Pflanzen Mangel leiden. Wirtschaftlich aber 
oringt ein solches Verfahren Verluste und muss schliesslich ruinös 
wirken, Der Landwirt kann nur den Dünger anwenden, der sich durch 
Ernteerhöhung bezahlt macht. Die naturwissenschaftlichen Lehren 
Liebi g’s sind richtig, seine volkswirtschaftliche Anwendung derselben 
3ing aber über das richtige Ziel hinaus und war verfehlt. Lieb ig behauptete 
aun, dass es nicht möglich sei, einen einmal verarmten Boden ohne 
übermässige Opfer in kurzer Zeit wieder zur früheren Fruchtbarkeit 
zu bringen, Das ist nun, sowohl durch einzelne Experimente, wie 
durch die allgemeine landwirtschaftliche Erfahrung widerlegt. Lawes 
und Gilbert brachten ein F. eldstück, welches gänzlich ausgesogen war, 
and nur noch 809 kg Körner und 1369 kg Stroh pro ha. brachte, 
Schon durch einmalige volle Düngung zu einer Ernte von 2430 kg 
Körner und 5118 kg Stroh. Der Ersatz der fehlenden Stoffe hatte 
hier mit einem Schlage die normale Fruchtbarkeit wieder hergestellt, 
während es viel längere Zeit dauert, einen verwahrlosten verqueckten 
Boden, also die schlechte physikalische Beschaffenheit, auszugleichen 
and dadurch die frühere Fruchtbarkeit wieder herzustellen. 
. Liebig hat aber weiter Bedenken, ob es möglich ist, von aussen 
die mineralischen Düngestoffe zu beschaffen, um sie dem Boden zuzu- 
‘Uhren, Schon eine Vertiefung der Ackerkrume, Bekarrung des 
Ackers mit Kalkmergel oder Lehm gewähren für lange Zeit Ersatz. 
Für Kali sind die gewaltigen unterirdischen Kalilager, über die vor 
Allem Deutschland disponiert, eine unerschöpfliche Quelle. Auch an 
Ohosphorsäurehaltigen Mineralien fehlt es nicht, wenn sie auch nicht 
N Solcher Fülle vorhanden sind wie Kali. Besonders bieten aber die 
Abfälle und der Kloakeninhali der Städte die Möglichkeit eines vollen 
Wiederersatzes, der allerdings heutigen Tages bei uns noch nicht aus- 
"eichend benutzt wird, indem noch der grösste Teil des Kloakeninhalts 
der Städte in die Flüsse geleitet wird, und dem Lande nachhaltig ver- 
loren geht. L. bezeichnet daher die grossen Städte als Vampyre, 
Welche dem landwirtschaftlichen Körper die Nährkraft aussaugen. 
. So lange aber die Landwirtschaft in einer billigeren Weise sich 
lie Düngstoffe verschaffen kann, als durch die Abfuhr aus den Städten, 
Conrad, Grundriss d. polit. Oekonamie. II. Teil. 83, Aufl.
	        
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