496 -—-
Das beste Mittel zu solcher Konzentration ist die Kolonisation,
indem die Ansiedler in Kolonien in politischer Beziehung und in einer
gewissen Abhängigkeit vom Mutterlande verbleiben.
Wesen der Unter Kolonisation überhaupt versteht man die Ansiedlung von
<olonisation. Bevölkerungsteilen an einem entlegenen Ort unter anderen Verhältnissen
und einer anderen Nationalität, oder doch unter einer anderen Be-
völkerungsart. Man spricht auch von innerer Kolonisation, wenn
g. B. aus Süddeutschland sich Bauern in grösserer Anzahl in Nord-
deutschland in konzentrierter Weise ansiedeln, um dort in den nord-
östlichen Landesteilen, sei es unter Polen oder Norddeutschen, eigene
Gemeinden zu bilden, die ihre Eigenart, wirtschaftliche Methode u. s. w.
dort erhalten und fortsetzen. Sobald die Ansiedler ihre Eigenart oder
gar ihre Nationalität verlieren, hört natürlich der Begriff der Kolonie
auf. Kolonien im weiteren Sinne des Wortes brauchen daher nicht
politisch mit dem Mutterlande verbunden zu sein, wohl aber ist dieses
im engeren Sinne die Voraussetzung, und so werden wir in dem Folgen-
den die Kolonien auffassen und behandeln.
\eltere Zeit, Die Kolonisation geht bis in die vorhistorische Zeit zurück. Sie
erhielt historisch nachweisbare Bedeutung im Altertum, wo die Phö-
nizier und die Griechen an entlegenen Orten Ansiedelungen er-
richteten, die schliesslich grösseren Umfang als das Mutterland erlangten.
Das römische Reich in seiner Blüte umfasste eine ganze Anzahl
von Kolonialgebieten. Der Eroberungszug der Normannen nach
England unter Wilhelm dem Eroberer endete mit einem umfassenden
Kolonisationswerk, wie ebenso das des deutschen Ritterordens in dem
alten Preussen, den Gebieten der jetzigen Ostseeprovinzen in Russland
u. 8. w. Das Vorrücken des Germanentums und die Verdrängung der
Slaven zur Hohenstaufenzeit ist gleichfalls hierauf zurückzuführen.
In grossartigstem Massstabe ist die Kolonisation dann bekanntlich
nach der Entdeckung Amerikas vor sich gegangen; zunächst vor allem
durch die Spanier in Mexiko und Peru, wo sie sich allerdings nicht,
der nur vereinzelt als Ansiedler niederliessen, sondern mehr durch
Beamte die eroberten Länder einseitig auszubeuten trachteten. Nicht
nur, dass alle fremden Nationalitäten von den Kolonien möglichst fern
gehalten wurden und selbst der Schiffsverkehr und Handel anderer Natio-
nalitäten mit den Kolonien verboten war, sondern es wurde auch die
Einwanderung und Niederlassung von Spaniern rigoros beschränkt, und
zeit Karl V. von einer ausdrücklichen Erlaubnis der spanischen Regie-
rung abhängig gemacht. Auf demselben Ausbeutungsprinzipe beruhte
las Vorgehen Portugals in seinen Kolonien. Nicht mit der gleichen
Strenge und Exklusivität ging Holland im Kapland, in den ostindischen
Kolonien, Batavia u. s. w. vor, aber auch dort handelte es sich um
eine ausschliessliche Ausbeutung der Kolonien, wenn auch nicht durch
ein privilegiertes Beamtentum, sondern durch mit besonderen Privilegien
ausgestattete Handelsgesellschaften, welche unter Kontrolle der Regie-
sung sich und ihr Mutterland auf Grund von Handelsmonopolen be-
reicherten,
Eine grosse Ausdehnung gewann in dem 17. Jahrhundert die
französische Kolonisation in Nordamerika, welche sich eine lange
Zeit über weit grössere Territorien erstreckte als die englische, all-
Neuere Zeit,