ausserdem beständig überwacht werden, um nicht der ganzen Gegend
Ästig oder gar gefahrvoll zu werden. Die Ansiedlung von Verbrechern
schreckt natürlich alle übrigen Auswanderer von der Ansiedelung ab,
so dass die Kolonisation dadurch nicht gefördert, sondern im Gegen-
teil wesentlich benachteiligt wird. Mit vollem Recht hat man deshalb
in Deutschland von der Einrichtung der Strafkulonien Abstand ge-
a0ommen.
2, Die Schiffsstationen und Depots. Dieselben sind Stationen
im Auslande mit teils gepachteten, teils erworbenen Häfen, um für die
Kriegs- und Handelsmarine Zufluchtsorte, namentlich aber die Niederlagen
zu bilden, aus welchen die Verproviantierung mit Kohlen, Lebens-
mitteln etc. stattfinden kann. Eine grosse Zahl solcher Stationen
zewährt der Marine wesentliche Stützpunkte und erhöht ihre Wirk-
samkeit in erheblicher Weise. Durch die grosse Zahl solcher Stationen
begründet England insbesondere seine internationale Macht, die die
yanze Welt umfasst. Mit vollem Rechte hat daher in der neueren
Zeit auch Deutschland begonnen, sich in den verschiedenen Himmels-
yegenden derartige Stationen zu sichern, und auch die Vereinigten
Staaten von Nordamerika gehen in der gleichen Weise vor,
3. Handelskolonien bilden im allgemeinen: den Anfang der
Kolonisation, indem zuerst Seefahrer und Kaufleute entfernte Gegen-
den besuchen, zunächst vereinzelt Handelsbeziehungen anknüpfen und
sich schliesslich zur Fortsetzung und Erweiterung des Verkehrs
lort ansiedeln, heimatliche Waren nach dem Innern des Landes be-
fördern, dafür die dortigen Produkte eintauschen und nach anderen
Himmelsgegenden befördern. Sie pflegen die grössten Gewinne zu er-
zielen, weil die auf tiefer Stufe stehende Bevölkerung eine ganz andere
Wertschätzung wie die kolonisierende hat, und erst allmählich die
Schätzung der fremden Waaren beurteilen und die geforderten Preise
Janach einrichten lernt.
4. Aus den Handelskolonien entwickeln sich unter günstigen Um-
ständen erweiterte, festere Ansiedelungen, in denen die Gegenstände gleich-
mässiger und in grösserem Masstabe erzeugt werden, welche den Haupt-
artikel des Umsatzes ausmachen und landwirtschaftlichen Ursprungs sind.
Auch hier ist die Zahl der Auswanderer nur gering, sie repräsentieren nur
die leitenden Köpfe, während die physische Arbeit durch eingeborene oder
ihnen verwandte, von ausserhalb herangezogene Arbeitskräfte aus-
yeführt wird. Sie bilden die Form der hauptsächlichsten Ausnutzung
tropischer Kolonien, in denen die klimatischen Verhältnisse Europäern
dauernde Existenz nicht gestatten. In dieser Weise entwickelte sich neuer-
dings Kamerun aus einer Handelskolonie zu einer Plantagenkolonie,
in der die: Kultur von Kaffee, Kakao, Tabak mehr und mehr um sich
zreift, und dem Lande eine wachsende Bedeutung gewährt. Auf
diese beiden Arten werden sich die Kolonisationsbestrebungen in den
Jeutschen Schutzgebieten beschränken müssen.
5. Ackerbaukolonien unterscheiden sich von der eben betrach-
;eten Form dadurch, dass die eigentliche Arbeit durch die Einwanderer
selbst ausgeführt wird, indem eingewanderte Bauern und ländliche
Arbeiter. hier das Land landwirtschaftlich verwerten. Nur diese Kate-
yorie wird imstande sein, einen grösseren Kinwandererstrom aufzu-
aehmen. Sie‘ haben deshalb für Deutschland allein durchgreifende
30%
»
Depots.
+. Handels-
kolonien.
Plantagen-
zolonien.
Ackerbau-
kolonien.