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zogen sind, und die Anstaltsarbeit sich nur selten ausreichend bezahlt
macht.
4. Die Wirtschaft im Grossen gestattet viele Ersparnisse, und
man ist deshalb in der Lage, mit denselben Mitteln dem KEinzelnen
mehr zu gewähren. Dafür stehen der kleinen Häuslichkeit eine Menge
Massregeln. und Auswege zur Verfügung, um Abfälle zu verwerten,
Ersparnisse im Kleinen zu machen, wodurch das Ergebnis vielfach zur
Ausgleichung gebracht wird. Man hat sich deshalb vor einer zu
grossen Verallgemeinerung des Satzes zu hüten. ;
5. Die Entfernung aus den alten Beziehungen ist für den Ge-
sunkenen vielfach eine grosse Wohlthat, es wird ihm dadurch er-
leichtert, ein neues Leben zu beginnen; aber auch dieses ist eben nur
in Ausnahmsfällen von wirklicher Bedeutung. Wo es sich allein um
Unglückliche handelt, hat die Massregel keinen Nutzen, sondern wirkt
vielmehr entgegengesetzt.
All den erwähnten Vorteilen stehen auch nicht unbedeutende
Nachteile gegenüber: .
1. Das Herausreissen aus der Familie schliesst in vielen Fällen Nachteile der
eine grosse Härte in sich, die gerade in Deutschland besonders tief Anstaltspflege.
empfunden wird und überall da zu vermeiden ist, wo sie sich nicht
als notwendig erweist. - Das wird überall da der Fall sein, wo es sich
am unverschuldete Verarmung und um ältere Personen handelt. Für die
Leute, die bei armen Verwandten, Kindern ein Unterkommen gefunden
haben, wird es eine grosse Wohlthat sein, wenn sie in offener Armen-
pflege Hilfe erhalten, während sie sich in einer vielleicht weit kom-
fortableren Anstalt unter fremden Leuten, die ihnen teilnahmlos gegen-
über stehen, unglücklich fühlen. Die grossen Hospitäler für alters-
schwache Leute sind deshalb nur für diejenigen eine Wohlthat, welche
isoliert dastehen. ;
2, Eine längere Abschliessung in solchen Anstalten bringt eine
Entfremdung von dem praktischen nnd gesellschaftlichen Leben hervor,
die bei der Rückkehr in dasselbe leicht verhängnisvoll wird. So ist
es eine Thatsache, dass jugendliche Personen aus den unteren Klassen,
die eine Anstaltserziehung erhalten haben, leicht entgleisen. Ihnen
fehlt die nötige Menschen- und Weltkenntnis, um Versuchern und
Versuchungen den nötigen Widerstand zu leisten.
3, Bei der Aufnahme in die Anstalt ist nur schwer, vielfach sogar
überhaupt nicht, eine Scheidung zwischen Lumpen und Unglücklichen
zu machen, so dass sie fortdauernd in nächste Berührung kommen.
Dadurch ist der Demoralisierung noch Unverdorbener Thür und "Chor
geöffnet. Gerade in den Arbeitshäusern wird hierüber mit Recht geklagt.
4. Der in den Anstalten notwendiyxe Zwang und die Freiheits-
beschränkung haben für den Unglücklichen etwas sehr Deprimierendes,
wofür auch bessere Wohnung und Kost keinen Ersatz zu bieten ver-
mögen.
5. Die Schwierigkeit, für die Internierten angemessene Beschäf-
tigung zu schaffen, ist vielfach grösser als im freien Leben, namentlich
für Personen mit nur untergeurdneter Leistungsfähigkeit, die dagegen
in einer Häuslichkeit noch sehr wohl Verwendung finden können.
6. Die Verwaltung solch grosser Anstalten ist ausserordentlich
schwierig und beansprucht von den Leitern aussergewöhnliche Gaben