Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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zogen sind, und die Anstaltsarbeit sich nur selten ausreichend bezahlt 
macht. 
4. Die Wirtschaft im Grossen gestattet viele Ersparnisse, und 
man ist deshalb in der Lage, mit denselben Mitteln dem KEinzelnen 
mehr zu gewähren. Dafür stehen der kleinen Häuslichkeit eine Menge 
Massregeln. und Auswege zur Verfügung, um Abfälle zu verwerten, 
Ersparnisse im Kleinen zu machen, wodurch das Ergebnis vielfach zur 
Ausgleichung gebracht wird. Man hat sich deshalb vor einer zu 
grossen Verallgemeinerung des Satzes zu hüten. ; 
5. Die Entfernung aus den alten Beziehungen ist für den Ge- 
sunkenen vielfach eine grosse Wohlthat, es wird ihm dadurch er- 
leichtert, ein neues Leben zu beginnen; aber auch dieses ist eben nur 
in Ausnahmsfällen von wirklicher Bedeutung. Wo es sich allein um 
Unglückliche handelt, hat die Massregel keinen Nutzen, sondern wirkt 
vielmehr entgegengesetzt. 
All den erwähnten Vorteilen stehen auch nicht unbedeutende 
Nachteile gegenüber: . 
1. Das Herausreissen aus der Familie schliesst in vielen Fällen Nachteile der 
eine grosse Härte in sich, die gerade in Deutschland besonders tief Anstaltspflege. 
empfunden wird und überall da zu vermeiden ist, wo sie sich nicht 
als notwendig erweist. - Das wird überall da der Fall sein, wo es sich 
am unverschuldete Verarmung und um ältere Personen handelt. Für die 
Leute, die bei armen Verwandten, Kindern ein Unterkommen gefunden 
haben, wird es eine grosse Wohlthat sein, wenn sie in offener Armen- 
pflege Hilfe erhalten, während sie sich in einer vielleicht weit kom- 
fortableren Anstalt unter fremden Leuten, die ihnen teilnahmlos gegen- 
über stehen, unglücklich fühlen. Die grossen Hospitäler für alters- 
schwache Leute sind deshalb nur für diejenigen eine Wohlthat, welche 
isoliert dastehen. ; 
2, Eine längere Abschliessung in solchen Anstalten bringt eine 
Entfremdung von dem praktischen nnd gesellschaftlichen Leben hervor, 
die bei der Rückkehr in dasselbe leicht verhängnisvoll wird. So ist 
es eine Thatsache, dass jugendliche Personen aus den unteren Klassen, 
die eine Anstaltserziehung erhalten haben, leicht entgleisen. Ihnen 
fehlt die nötige Menschen- und Weltkenntnis, um Versuchern und 
Versuchungen den nötigen Widerstand zu leisten. 
3, Bei der Aufnahme in die Anstalt ist nur schwer, vielfach sogar 
überhaupt nicht, eine Scheidung zwischen Lumpen und Unglücklichen 
zu machen, so dass sie fortdauernd in nächste Berührung kommen. 
Dadurch ist der Demoralisierung noch Unverdorbener Thür und "Chor 
geöffnet. Gerade in den Arbeitshäusern wird hierüber mit Recht geklagt. 
4. Der in den Anstalten notwendiyxe Zwang und die Freiheits- 
beschränkung haben für den Unglücklichen etwas sehr Deprimierendes, 
wofür auch bessere Wohnung und Kost keinen Ersatz zu bieten ver- 
mögen. 
5. Die Schwierigkeit, für die Internierten angemessene Beschäf- 
tigung zu schaffen, ist vielfach grösser als im freien Leben, namentlich 
für Personen mit nur untergeurdneter Leistungsfähigkeit, die dagegen 
in einer Häuslichkeit noch sehr wohl Verwendung finden können. 
6. Die Verwaltung solch grosser Anstalten ist ausserordentlich 
schwierig und beansprucht von den Leitern aussergewöhnliche Gaben
	        
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