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ORDEN IM AL TERTUM
gehens in dieser Hinsicht ist, ist übrigens aus dem allgemein
bekannten Umstande verständlich, daß sich oft die hervor-
ragendsten, in Fachkreisen unumstritten anerkannten Persön-
lichkeiten in der breiten Öffentlichkeit nicht durchzusetzen
in der Lage sind, dagegen vielfach Dilettanten und Charlatane
eine mit ihren Fähigkeiten in keinem Verhältnis stehende
Berühmtheit und Einkommensquelle besitzen. Die zur Er-
reichung dieses Zieles verwendeten Reklamemethoden müssen
also solche sein, welche auf die breite, fachlich nicht infor-
mierte Masse wirken. Die in Betracht kommenden Mittel
zerfallen in folgende Gruppen.
a) Orden und Titel.
Da, wie bereits gesagt, die große Masse in allen Fragen
kein fachliches Urteil besitzt und besitzen kann, so muß ihr
zur Erzielung des Reklameerfolges ein solches imputiert
werden. Ein Weg hierzu sind Orden und Titel, welche als
Zeichen der Anerkennung für Verdienste von angeblich fach-
lich autoritativer Seite (Referenzreklame s. S. 170) verliehen
werden.
Die Orden kamen zuerst zur Zeit der Römer in Anwen-
dung. Es wurden Hals- und Armketten aus Gold und
Silber sowie Medaillons von Gold und Silberblech oder Bronze,
die, mit Reliefs verziert, an Riemen über der Brust getragen
wurden, verliehen. Unter die Auszeichnungen gehörten ferner
die hasta pura, eine Lanze ohne Spitze, ferner Kränze und
Kronen. Von L.Siccius Dentatus, welcher in der ersten
Hälfte des fünften Jahrhunderts v. Chr. lebte, wird berichtet,
daß er in 120 Gefechten 22 hastae purae, 25 Medaillons;
83 Halsketten, 160 Armketten, 26 Kränze und Kronen und
andere Auszeichnungen erhalten habe. Seit Septimius
Severus, um 200 n. Chr., wurden die Medaillons durch förm-
iche an einem Bande getragene Medaillen ersetzt; hiermit
waren also die eigentlichen Orden endgültig erfunden. -
Neu erweckt wurde diese Einrichtung durch die im 13.
und 14. Jahrhundert gegründeten weltlichen Ritterorden,
deren Mitglieder auch besondere Insignien trugen; der Name
Orden ging dann von den Körperschaften auf die Insignien